Während unser italienischer und unser rumänischer Bundesgenosse sich von
Anfang an der Erfüllung ihrer Bundespflicht enthielten, während Japan
seine zunächst erklärte Neutralität schon am 19. August durch sein an
uns gerichtetes Ultimatum aufgab und sich der Koalition unserer Feinde
anschloß, während die Neutralen abwartend und zumeist mit für uns recht
kühlen Gefühlen beiseite standen, stellte sich die uns seit langem
befreundete, aber niemals verbündete Türkei als ein willkommener und
wichtiger Mitkämpfer ein.
Ich habe im ersten Teil dieses Buches die Belastungsproben skizziert,
denen die deutsch-türkische Freundschaft seit der jungtürkischen
Revolution ausgesetzt war, und denen sie sich gewachsen gezeigt
hat. Deutschlands territoriale Uninteressiertheit an den Fragen des
näheren Orients, sein positives Interesse an der Aufrechterhaltung der
Unversehrtheit, der Unabhängigkeit, der wirtschaftlichen, militärischen
und politischen Erstarkung der Türkei war so offenkundig und trat
in so konkludenten Handlungen zutage, daß auch die westmächtlich
voreingenommenen jungtürkischen Politiker, sobald sie an der Macht und
Verantwortung waren, sich wohl oder übel zu Deutschland hingedrängt
sahen. Selbst das Vorgehen unseres österreichisch-ungarischen
Bundesgenossen in der bosnischen Frage und die tripolitanische
Brutalität Italiens hatten die aus den wahren Interessen der Türkei
erwachsende Wiederannäherung an Deutschland nicht hindern können.
Als der Krieg ausbrach, konnte in Stambul kein Staatsmann darüber im
unklaren sein, daß im Falle eines Sieges der Entente Rußland nach
Konstantinopel greifen und daß niemand ihm das verwehren werde. Zu oft
und zu deutlich war in den letzten Jahren von Rußland her proklamiert
worden, daß der Weg nach Konstantinopel über Berlin und Wien führe.
Der Krieg war also von Anfang an, ob die Türkei beiseite stand oder ob
sie eingriff, ein Krieg um die Existenz des türkischen Reiches. Die
Türkei hatte die Wahl, ob sie durch ein Eingreifen an der Seite der
Mittelmächte das ihrige zur Abwendung der Vernichtung tun oder ob sie in
willenlosem Geschehenlassen ihr Schicksal hinnehmen wollte.
Die britische Politik versäumte nicht, der türkischen Regierung sofort
mit Eindringlichkeit zu zeigen, wo ihr Platz in diesem Völkerringen
sei. Schon am 2. August 1914 beschlagnahmte sie zwei von der Türkei auf
Drängen des britischen Botschafters in England in Bestellung gegebene
und im voraus bezahlte Kriegsschiffe.
Schon in jenen Tagen wurde zwischen dem deutschen Botschafter Freiherrn
von Wangenheim und der türkischen Regierung ein Bündnisvertrag
vereinbart, für dessen Zustandekommen sich auf türkischer Seite vor
allem der Kriegsminister Enver Pascha einsetzte.
Am Abend des 10. August erschienen die beiden deutschen Kriegsschiffe
»Göben« und »Breslau«, die im Mittelmeer der feindlichen Übermacht
glücklich entronnen waren, vor den Dardanellen. Sie erhielten die
Erlaubnis zur Einfahrt; denn die türkische Regierung hatte die
beiden Schiffe in Erwartung ihrer glücklichen Ankunft von der
deutschen Regierung gekauft. Entrüsteter Protest der Ententemächte.
Zusammenziehung eines Ententegeschwaders vor den Dardanellen. Darauf am
28. September Sperre der Dardanellen.
Für die deutsche Kriegspolitik war schon mit dieser Etappe ein
wichtiger Erfolg erzielt. Die Verbindung der Westmächte mit Rußland
durch die Ostsee war durch den Krieg zerschnitten. Wenn jetzt auch
der Großhandelsweg durch die Dardanellen gesperrt war, so blieb
nur noch der für umfangreiche Transporte infolge des Mangels an
Eisenbahnen in Nordrußland nicht praktikable Weg über Archangelsk.
Die Dardanellensperre machte die Unterstützung der Entente auf dem
westlichen Kriegsschauplatz durch russische Mannschaften für lange Zeit
unmöglich, sie schränkte die Möglichkeit der Versorgung Rußlands mit
westmächtlichem Kriegsmaterial erheblich ein, und sie unterband die
Belieferung Frankreichs und Englands mit russischem Getreide.
Es konnte fraglich erscheinen, ob es im deutschen Interesse lag, die
durch drei Kriege geschwächte Türkei zu veranlassen, weiter zu gehen und
aktiv in den Krieg einzugreifen. Die Möglichkeit, auf dem Wege über die
Türkei und mit Hilfe der Türkei das britische Reich an lebenswichtigen
Punkten anzugreifen, etwa am Suezkanal oder gar über den Persischen Golf
in Indien, hatte zwar in der englischen Agitation gegen die Bagdadbahn
und leider auch in gewissen leichtfertigen deutschen Veröffentlichungen
eine Rolle gespielt; aber bei nüchterner und sachkundiger Beurteilung
mußte man die Durchführbarkeit und die Aussichten auch nur einer Aktion
gegen den Suezkanal so lange als äußerst zweifelhaft betrachten, als
einmal ein ungehinderter Verkehr zwischen den Mittelmächten und der
Türkei nicht gesichert war und als ferner die Eisenbahnverbindung
zwischen Konstantinopel und Syrien im Taurus- und Amanusgebirge noch
die empfindlichen Lücken aufwies. Im übrigen bot die Türkei sowohl im
südlichen Mesopotamien den Engländern als auch in Nordostanatolien
den Russen wegen des Fehlens jeder Eisenbahnverbindungen gefährliche
Angriffsflächen; ja, es war nicht einmal als unbedingt sicher zu
betrachten, ob die Dardanellen, trotz der in den letzten Jahren
durchgeführten Modernisierung ihrer inneren Befestigungsanlagen, einem
energischen und nachhaltigen Angriff würden standhalten können. Auf
den »Heiligen Krieg«, von dem manche die Revolutionierung Ägyptens
und Indiens erwarteten, habe ich nach meiner Kenntnis des stumpf und
unfanatisch gewordenen Islam niemals große Hoffnungen gesetzt, solange
wir nicht selbst die Bewegung in jene Länder tragen konnten.
Diese Ansichten wurden auch in unserem Auswärtigen Amt geteilt, und
man hat es deshalb wohl vermieden, die Türken zum Eintritt in den
Krieg allzu eifrig zu drängen. Aber die Dinge drängten von selbst in
dieser Richtung. Es zeigte sich bald, daß die Ententemächte sich mit
der Sperrung der Dardanellen nicht abfinden und der Türkei nur die
Wahl lassen würden, sich klipp und klar zu entscheiden. Die Wahl der
türkischen Staatslenker war im voraus getroffen. Vergeblich bot die
Entente der Türkei die Garantie ihres Besitzstandes; die Türkei hatte
mit solchen Garantien zu schlechte Erfahrungen gemacht. Der Druck der
Ententemächte verstärkte sich. Ende Oktober kam es bei der Einmündung
des Bosporus in das Schwarze Meer, wo russische Kriegsfahrzeuge Minen
legten, zu einem Zusammenstoß zwischen türkischen und russischen
Seestreitkräften: die Kriegserklärung erfolgte aus dem Munde der
Schiffsgeschütze.
Deutschland hatte einen politischen Sieg erfochten; es hatte zu
einer Zeit, in der es in West und Ost in die schwersten Kämpfe gegen
eine erdrückende Übermacht verstrickt war, einen Bundesgenossen
gewonnen, dessen nicht zu unterschätzendes Gewicht auf der Wage des
Völkerschicksals vielleicht den entscheidenden Ausschlag geben konnte.
Nun hieß es, das Gewicht des neuen Bundesgenossen in Wirkung setzen.
Der neue Bundesgenosse stand, von uns getrennt, auf einem ebenso
wichtigen wie bedrohten Außenposten. Wenn dieser Außenposten gesichert
und die militärische wie die wirtschaftliche Kraft der Türkei für uns
nutzbar gemacht werden sollte, dann mußten alsbald die Brücken zu dem
neuen Mitkämpfer geschlagen werden. Der Weg zur Türkei führte, solange
der Engländer das Mittelmeer, der Russe das Schwarze Meer beherrschte,
in jedem Fall über Bulgarien, außerdem entweder über Rumänien oder über
Serbien. Bulgarien stand uns mit wohlwollender Neutralität gegenüber.
Aber Serbien stand mit noch ungebrochener Kraft gegen uns im Feld,
und Rumänien nahm trotz seines Bündnisvertrages mit uns damals schon
in so ungenierter Weise für die Entente Partei, daß es auch den
völkerrechtlich durchaus einwandfreien Durchfuhren von uns zur Türkei
und von der Türkei zu uns die unerhörtesten Schwierigkeiten in den
Weg legte. Da ohne Krieg mit Rumänien die Überwindung des rumänischen
Hindernisses unmöglich erschien und da niemand bei uns das Bedürfnis
nach einem weiteren Kriegsgegner hatte, da ferner der serbische
Landesteil, der den Donauweg zwischen Ungarn und Bulgarien blockierte,
der sogenannte Negotiner Zipfel, eine Tiefenausdehnung von nur 50-60
Kilometern hatte, erschien der Weg vorgezeichnet: die Forcierung des
unterhalb des Eisernen Tores gelegenen serbischen Donaukreises.
Für diese Lösung setzten sich Kanzler und Auswärtiges Amt bei der
Obersten Heeresleitung, an deren Spitze damals bereits in Vertretung
des schwer erkrankten Generalobersten von Moltke der General von
Falkenhayn stand, mit allem Nachdruck ein; es wurde jedoch stets die
militärische Unmöglichkeit der Erfüllung dieser Forderung geltend
gemacht. Als die Türkei, die damals schon an Munitionsmangel litt, immer
stärker drängte, machte das Auswärtige Amt einen erneuten Versuch, zu
dem auch meine Mitwirkung auf Grund meiner Kenntnis der Verhältnisse
des näheren Orients herangeholt wurde. In Brüssel, wohin ich gerade
von einem Besuch im Großen Hauptquartier zurückgekehrt war, erhielt
ich am 28. November ein Telegramm des Unterstaatssekretärs Zimmermann,
das mich ersuchte, beim Reichskanzler, beim Generalstabschef und
nötigenfalls beim Kaiser selbst mit den stärksten Argumenten für eine
sofortige Aktion zur Besetzung des Negotiner Kreises und Freimachung
des Donauweges einzutreten. Ich entschloß mich, sofort wieder nach
Charleville zu fahren. Als ich am Abend des 29. November dort ankam,
stellte sich heraus, daß am Vormittag der Reichskanzler nach Berlin, der
Kaiser und General von Falkenhayn nach dem östlichen Kriegsschauplatz
abgereist waren. Ich wandte mich an den General Wild von Hohenborn,
der damals den Generalquartiermeister vertrat. Er sagte mir, daß beim
Generalstab wenig Neigung für die serbische Operation bestehe, da auf
den Hauptkriegsschauplätzen jeder Mann gebraucht würde. Aus diesem Grund
habe sich der General von Falkenhayn bisher gegenüber den Wünschen
des Auswärtigen Amts ablehnend verhalten und zunächst nur einmal
den Obersten Hentsch zur Prüfung der Verhältnisse an Ort und Stelle
nach dem Eisernen Tor geschickt. Aus den Darlegungen des Generals von
Wild entnahm ich, daß man in den leitenden militärischen Kreisen die
Voraussetzungen, unter denen allein die Türkei überhaupt erst aus einem
stark exponierten Angriffspunkt zu einem wertvollen Verbündeten gemacht
werden und außerdem Bulgarien für den Anschluß an uns gewonnen werden
könne, nicht genügend würdigte. General von Wild versprach mir, meine
Gesichtspunkte alsbald an den General von Falkenhayn zu telegraphieren.
Es blieb aber bei der Ablehnung.
Es war für mich schmerzlich, zu sehen, wie statt dieser so dringlichen
Öffnung des Donauweges, der uns in der Folgezeit viel schwere Sorgen
erspart und unserer Gesamtaktion eine so viel wuchtigere Schlagkraft
gegeben hätte, die österreichisch-ungarischen Truppen mit starkem
Kräfteeinsatz Serbien am andern Ende anpackten. Von Bosnien aus rückte
gegen Ende November eine starke Armee in Serbien ein und erzielte in
heftigen Kämpfen gute Fortschritte. Am 2. Dezember, dem 66. Jahrestag
der Thronbesteigung des Kaisers Franz Joseph, wurde Belgrad angegriffen
und genommen. Aber bald stießen die österreichisch-ungarischen Truppen
in dem unwegsamen westserbischen Gebirgsland auf große Schwierigkeiten.
Schon am 9. Dezember waren sie gezwungen, den Rückzug unter Preisgabe
vielen Materials und zahlreicher Gefangener anzutreten. Am 15. Dezember
mußte auch Belgrad wieder geräumt werden. Ich kann als Laie die Frage
nicht entscheiden, ob nicht der gleiche Kraftaufwand, der hier nutzlos
verpufft wurde, am Negotiner Donaubogen eingesetzt genügt hätte, um die
Verbindung mit Bulgarien und der Türkei damals schon herzustellen und
zu sichern. Zunächst war durch den österreichischen Mißerfolg diese
Möglichkeit auf absehbare Zeit verschlossen. Erst zehn Monate später ist
die damals schon so dringend empfohlene Aktion in Angriff genommen und
durchgeführt worden.
In der Zwischenzeit mußte sich die Türkei, so gut es ging, behelfen,
ohne uns über die Sperrung der Dardanellen hinaus einen wesentlichen
Vorteil bringen zu können.
Ein Versuch Envers, im armenischen Hochland gegen das russische
Kaukasusgebiet vorzustoßen, blieb mangels genügender rückwärtiger
Verbindungen in den Anfängen stecken und führte schließlich infolge
der feindlichen Haltung der armenischen Bevölkerung zu schweren
Rückschlägen. An dem türkischen Ufer des Persischen Golfs setzten
sich die Engländer mit indischen Truppen fest und bereiteten eine
Operationsbasis für die Eroberung Mesopotamiens vor, ohne daß die Türken
sie aus einer durch keine Eisenbahn überbrückten Entfernung von mehr
als tausend Kilometern ernstlich daran hindern konnten. Ägypten wurde
im Dezember 1914 zum britischen Protektorat erklärt, nachdem schon vor
dem Eintritt des Kriegszustandes zwischen England und der Türkei die
britische Regierung die ägyptische Regierung gezwungen hatte, den
Kriegszustand gegenüber den Mittelmächten zu proklamieren. Mehr als
gelegentliche Patrouillen- und Bandenvorstöße gegen den Suezkanal, die
keinerlei nachhaltigen Erfolg hatten, vermochten die Türken im Winter
1914/15 nicht zu unternehmen.
Dagegen machten die Verbündeten vom Februar 1915 an außerordentliche
Anstrengungen, die Dardanellen zu bezwingen und so einen entscheidenden
Stoß zu führen, der sowohl die Türkei ins Herz treffen, wie auch
die unterbrochene Verbindung zwischen Rußland und den Westmächten
wiederherstellen sollte. Letzteres erschien um so notwendiger, als
die Russen gerade damals in der »Winterschlacht in den Masuren« eine
Niederlage erlitten, in der ihre Verluste an Menschen und namentlich
Material so gewaltige waren, daß es in Frage gestellt schien, ob die
russische »Dampfwalze« sich ohne ausgiebige Nachhilfe von außen werde
wiederherstellen lassen.
In England waren die Meinungen über die Zweckmäßigkeit des
Dardanellenunternehmens geteilt. Churchill setzte es gegen allen
Widerspruch durch, insbesondere auch gegen den Widerspruch des Lord John
Fisher, des Ersten Lords der Admiralität.
Am 19. Februar begann eine mächtige Schlachtflotte die Außenforts der
Dardanellen zu bombardieren. Damit war das Signal zu dem gewaltigsten
Ringen gegeben, das diese seit dem Trojanischen Krieg so viel und heiß
umstrittenen Meerengen je gesehen hatten. Die veralteten und schwachen
Forts am Dardanelleneingang wurden niedergelegt, und Anfang März konnte
der Versuch, die starken Innenforts zu bezwingen, ins Werk gesetzt
werden. Der Versuch scheiterte. Am 18. März büßten die Angreifer drei
Schlachtschiffe ein, zwei englische und ein französisches. Man sah ein,
daß ohne ein starkes Landungskorps nicht vorwärts zu kommen sei.
Ein solches mußte erst zusammengestellt und herbeigeholt werden; denn
die wenigen Bataillone Senegalesen und Zuaven, mit denen man anfänglich
auszukommen gehofft hatte, genügten nicht entfernt, und die griechische
Hilfe, die man erwartete, blieb aus. Man griff auf die in Ägypten
versammelten Truppen, hauptsächlich Australier und Neuseeländer, zurück.
Am 25. April 1915 erfolgte die erste Landung auf der Halbinsel Gallipoli.
Die auf Gallipoli zusammengezogene türkische Armee leistete den
Angreifern, die ihre Forts und Feldbefestigungen Tag und Nacht mit
einem Eisenhagel aus Land- und Schiffsgeschützen aller Kaliber
überschütteten, den zähesten Widerstand. Eine unerwartete aber wirksame
Unterstützung erhielt sie durch deutsche U-Boote, die plötzlich vor
den Dardanellen erschienen, vom 25. bis 27. Mai die drei britischen
Panzerschiffe »Triumph«, »Majestic« und »Agamemnon« torpedierten und
durch die beständige Bedrohung die großen Schlachtschiffe von der
Halbinsel fernhielten. Aber eine schwere Sorge lastete auf den braven
Verteidigern: der Munitionsmangel. Der tägliche Verbrauch war bei aller
Sparsamkeit enorm; Rumänien ließ keine Munition durch; Serbien hielt
immer noch den Negotiner Donaubogen; unsere U-Boote konnten bei ihrem
beschränkten Tonnengehalt höchstens Zünder und ähnliche Dinge, aber
keine Granaten heranschaffen. Der Energie und Geschicklichkeit eines
deutschen Seeoffiziers gelang es, in Konstantinopel eine behelfsmäßig
ausgestattete Munitionsfabrik gewissermaßen aus dem Boden zu stampfen;
aber deren Leistungsfähigkeit konnte nicht entfernt auf die Höhe des
Bedarfs der Gallipoli-Armee gesteigert werden. Die Telegramme unseres
Botschafters verlangten immer dringender die Öffnung eines Weges für
ausreichende Munitionszufuhr. Wiederholt schien die letzte Stunde
geschlagen zu haben. Mehr als einmal war nach heftigen Angriffen der
Vorrat der Artilleriemunition so vollständig erschöpft, daß einem
erneuten Angriff des Feindes der Erfolg sicher gewesen wäre. Churchill
sprach damals das Wort: »Nur wenige Meilen trennen uns vom Ziel und vom
endgültigen Sieg.« Er wußte selbst nicht, wie nahe er oft an Ziel und
Sieg war.
Endlich kam die Erlösung. Im Oktober 1915 reichten wir uns über
Serbien hinaus mit Bulgarien die Hände, der Donauweg war frei, die
Dardanellen und Konstantinopel waren gerettet. Die Entente mußte sich
von der Aussichtslosigkeit weiterer Versuche überzeugen. Schon am 2.
November 1915 nannte der britische Premierminister im Unterhaus das
Dardanellenunternehmen »a disappointment and failure«. Im Januar
1916 wurden bei Nacht und Nebel die letzten Reste des Landungskorps
eingeschifft. Die Gräber von vielen Zehntausenden sind, wie die Tumuli
von Troja, das Denkmal des gewaltigen Ringens.