Vorwort

Ein Wörtchen der Entschuldigung:

Es tut mir leid, daß ich die absonderlich wahre Geschichte von dem, was

in sechs amerikanischen Lausbubenjahren erlebt, gesehen und gearbeitet

wurde, betrüblicherweise durchaus nicht in harmonischer Abrundung

beschließen kann. Wie erfreulich wäre es zum Beispiel gewesen, wenn sich

der Lausbub zu gigantischem Milliardärtum emporgeschwungen hätte; wie

nett, würde er einen Goldklumpen gefunden haben und stolz nach Hause

zurückgekehrt sein wie die glücklichen Menschen im Märchen; wie gut und

schön, hätte er nach diesen gärenden Zeiten der Lebensjagd sich zu

klugem, weisem Tun gefunden!

Doch nichts von alledem war zu berichten.

Nur ein drittes Stück wirklichen Lebens konnte ich geben -- nur

ganz einfach erzählen, wie es mir im amerikanischen Sergeantenrock

ergangen ist, was ich als Reporter im Dollarland getan und gesehen

habe, in welchen Formen Menschen und Dinge sich in meinem Sinn

einst spiegelten. Wer aus dem Erleben des kleinen Reporters das

Wesen der amerikanischen Zeitung herausklügeln wollte, der wäre gar

närrisch... Wer ein unerhörtes Abenteuer mitzuerleben vermeint,

wenn er von der Venezuelafahrt liest, die mich zum guten Schluß

in die Eigentümlichkeiten exotischer Zustände auf gar närrische

Weise ein wenig hineingucken ließ und beinahe ein unfröhliches Ende

genommen hätte -- der sieht sehr gegen meinen Willen diese Dinge in

einem falschen Licht! Denn so fremdartig die Abenteuerlein in diesen

Büchern manchmal erscheinen mögen, so winzig und unbedeutend sind sie,

gemessen am Maßstab der großen Wirklichkeiten, die in Hunderten und

Aberhunderten von Erdenwinkeln und in den Schicksalen von Tausenden und

Abertausenden von Menschen die Romantik unserer Zeit verkörpern und aus

jedem Zeitungsblatt herauszuahnen sind. Nein; die äußeren Ereignisse

in meinem amerikanischen Leben sind unwichtig. Wer aber aus all dem

Auf und Nieder, aus all der Tollheit, aus all dem Arbeiten die frohe

Lebensbejahung, das Unbekümmertsein, das lustige Sichherumschlagen mit

den Nöten der Wirklichkeit herauszulesen und sich zu freuen vermag

über die kraftvolle Sorglosigkeit der Jugend -- der mag mir Freund und

Bruder sein!

Denn er ist ein Mensch nach meinem Herzen.

Hamburg im Sommer 1913 Erwin Carlé

(Erwin Rosen)

Der Deutsche Lausbub in Amerika: Erinnerungen und Eindrücke. Band 3 (von 3) · 第 11 / 27 题