Sturm

»Warum so trüb?« -- »Einst war ich heiter,«

Sag' ich zu meiner Lust Genossen.

»Ich hab' mein Herz dem Schmerz erschlossen;

Die Freude starb: ich lebe weiter.

Jung war ich, und mein heller Blick

hat Trauer nicht und Mißgeschick

Gekannt; jetzt welkt die Jugend hin,

Stirbt wie der Herbst, und ich verblute

Gleich ihm. Nie wird mir froh zumute.

Die Freude lockt nicht meinen Sinn.«

Die Freunde lachen: »Was du nur

Zu weinen hast! Das Wetter ist

So heiter klar, und die Natur

Nicht halb so trüb, wie du es bist.«

Und ich: »Mir gilt das alles nichts.

Ob Tag zu Tag und Jahr sich türmt,

Ob's hell, ob's dunkel ist, was ficht's

Mich an, wenn mir's im Herzen stürmt.« --

Sämmtliche Werke 8: Briefwechsel II, Hans Küchelgarten Briefwechsel II / Die Beichte des Dichters / Betrachtungen über die Heilige Liturgie / Jugendschriften / Fragmente / Hans Küchelgarten · 第 26 / 56 题