_Idomeneo_ ist eines seiner größten, und gedankenreichesten Werke; der
Stil ist durchgehends pathetisch und athmet heroische Erhabenheit. Da er
diese Opera für große Sänger und für eines der besten Orchester von
Europa schrieb, so fühlte sein Geist keinen Zwang, und entfaltete sich
darinn am üppigsten. Aber Idomeneo muß besser aufgeführt werden, als es
zu Prag vor einigen Jahren in Sommer geschah, wo ihn der
Opern-Unternehmer im eigentlichen Verstande prostituirte. Es war ein
drolligter Gedanke eine der größten Opern ohne Sängerinnen und Orchester
aufzuführen. Denn beydes fehlte, und ward durch Substituten ersetzt.
Auch hüte man sich diese Opera, so wie jede von Mozart nach
mittelmäßigen Klavierübersetzungen zu beurtheilen!
_Figaro_ wird von Musik-Kennern am meisten geschätzt; wahr ist es, daß
Mozart bey ihrer Ausarbeitung am fleißigsten studirt habe. An
Gedanken-Reichthum gleicht sie dem Idomeneo, an Originalität weicht sie
keiner andern.
_Don Juan_ ist anerkannt das größte Meisterstück seines Genies -- die
höchste Kunst mit der größten Anmuth ist darinn in lieblicher Eintracht
gepaart. Die Rolle des Leporello ist das erste Meisterstück des
Komischen -- das Muster für alle Opernkomponisten.
#Cosi fan tutte# oder die Schule der Liebenden ist die _lieblichste_ und
scherzhafteste Musik voll Charakter und Ausdruck.
Die Finalien sind unübertrefflich. Wenn man den schlechten Text dieser
Oper betrachtet, so muß man über die Fruchtbarkeit seines dichterischen
Genies erstaunen, das fähig war ein so trockenes, einfältiges Sujet zu
beleben und solche Schönheiten hervor zu bringen. Es ist schon bemerkt
worden, daß er in der Wahl des Buches nicht frey war.
#La Clemenza di Tito# wird in ästhetischer Hinsicht, als schönes
Kunstwerk, für die vollendeteste Arbeit Mozarts gehalten. Mit einem
feinem Sinne faßte Mozart die Einfachheit, die stille Erhabenheit des
Charakters des Titus, und der ganzen Handlung auf, und übertrug sie ganz
in seine Komposition. Jeder Theil, selbst die gemäßigte
Instrumentalparthie trägt dieses Gepräge an sich, und vereinigt sich zu
der schönsten Einheit des Ganzen. Da sie für ein Krönungsfest, und für
zwey ganz eigends dazu angenommene Sänger aus Italien geschrieben war,
so mußte er nothwendig brillante Arien für diese zwey Rollen schreiben.
Aber welche Arien sind das? Wie hoch stehen sie über dem gewöhnlichen
Troß der Bravour-Gesänge?
Die übrigen Stücke verrathen überall den großen Geist aus dem sie
gefloßen. Die letzte Scene oder das Finale des 1ten Aktes ist gewiß die
gelungenste Arbeit Mozarts, ja wohl aller dramatischen Tonsetzungen;
_Ausdruck_, _Charakter_, _Empfindung_, wetteifern darinn den größten
Effekt hervorzubringen. Der Gesang, die Instrumentation, die Abwechslung
der Töne, der Wiederhall der fernen Chöre -- bewirkten bey jeder
Aufführung eine Rührung und Täuschung, die bey Opern eine so seltene
Erscheinung ist. Unter allen Chören, die ich gehört habe, ist keiner so
fließend, so erhaben und ausdrucksvoll, als der Schlußchor im 2ten Akte;
unter allen Arien, keine so lieblich, so voll süßer Schwermuth, so reich
an musikalischen Schönheiten, als das vollkommene Rondo in #F#, mit dem
oblig: Baßethorne, #Non piu di fiori# im 2ten Akte. Die wenigen
instrumentirten Rezitative sind von Mozart, die übrigen alle -- was sehr
zu bedauern ist, -- von einer Schülerhand.
Die Oper, die jetzt noch immer mit Entzücken gehört wird, gefiel das
erstemal bey der Krönung nicht so sehr, als sie es verdiente. Ein
Publikum, das vom Tanz, von Bällen und Vergnügungen trunken war, in dem
Geräusche eines Krönungsfestes, konnte freylich an den einfachen
Schönheiten Mozartscher Kunst wenig Geschmack finden.
_Unter den teutschen Singspielen_ zeichnet sich die Entführung aus dem
Serail an Empfindung und Schönheit des Gesanges aus. Man sieht es ihr
an, daß sie bald nach Idomeneo gedichtet ward.
Das kleine Singspiel, der _Schauspieldirektor_ ist blos ein
Gelegenheitsstück für den kaiserl. Hof in Schönbrunn. Was soll ich von
der _Zauberflöte_ sagen? Wer kennt sie in Teutschland nicht? Giebt es
ein Theater, wo sie nicht aufgeführt ward? Sie ist unser Nationalstück.
Der Beyfall den sie überall -- überall erhielt, von dem Hoftheater an,
bis zu der wandernden Bühne des kleinen Marktfleckens, ist bisher ohne
Beyspiel. In Wien wurde sie nur im 1ten Jahre ihrer Erscheinung mehr als
_hundertmal_ aufgeführt.
_Die 2te Klasse_ seiner Werke begreift die Kompositionen fürs Klavier.
Darunter glänzen am meisten die Klavierkonzerte, worinn Mozart ohne
Nebenbuhler den ersten Rang behauptet. Hier, so wie in vielen andern
Fächern war er Erfinder einer neuen Gattung. Diese Werke enthalten
einen unerschöpflichen Reichthum an den treflichsten Gedanken, die
glänzendeste Instrumentation, und erschöpfen fast alle Tiefen des
Kontrapunktes.
Die Sonaten aller Art _mit und ohne_ Begleitung sind in jedermanns
Händen. Unter denselben sind die Trio am originellsten geschrieben. Das
berühmte Quintett fürs Klavier mit Begleitung einer Oboe, einer
Klarinette, eines Waldhornes und Fagottes halten Kenner für sein
Meisterstück in Rücksicht der Instrumentation; geschrieben im J. 1784
_den 30ten März_. Die vielen _Variazionen_ zeichnen sich durch
Reichthum, Manigfaltigkeit und Neuheit vor allen ähnlichen Werken aus.
Die letzten, die er setzte, sind die, über das Lied: _Ein Weib ist das
herrlichste Ding_; den 15ten März 1791 komponirt. Diese Klasse seiner
Werke ist die zahlreichste.
_Die 3te Klasse_ begreift die Sinfonien; die schönsten davon, die er in
den Jahren 1786 bis 1788 schrieb, sind folgende 4: in #D#, #Eb#, #G mol#
und #C# mit der Fuge im letzten Stücke. Alle können den schönsten von
_Hayden_ an die Seite gesetzt werden; er entfaltete darinn seine Kunst
der Komposition im höchsten Grade. Die Opernsinfonien sind bekannt und
bewundert genug.
_Zur 4ten Klasse_ gehören Gelegenheits-Kantaten mit vollstimmiger
Begleitung. In dem Verzeichnisse sind 3 aufgemerkt.
_In die 5te Klasse_ können die einzelnen Scenen und Arien gerechnet
werden, die er für musikalische Akademien oder für besondere Sänger
schrieb. In dem Verzeichnisse sind 22 solche enthalten, für allerley
Stimmen.
_6te Klasse:_ teutsche Lieder mit Klavierbegleitung allein; in dem
Verzeichnisse sind 20 Stücke aufgezeichnet, worunter _die_ so bekannte
_Abendempfindung_, _das Veilchen_ und an _Chloe_, so voll Einfachheit,
Ausdruck und Empfindung, _kurz so schön_ sind, daß man sagen kann,
Mozart hätte blos mit diesem sich unsterblichen Ruhm erworben. Daraus
vorzüglich mögen seine Tadler sehen, ob er nicht _groß_ in der
Singkomposition war? Ob er den Worten Leben zu geben, auch ohne das
Rauschen der Instrumente nicht verstand?
_7te Klasse:_ Konzerte für verschiedene Instrumente schrieb er am
seltensten.
In dem Verzeichnisse sind nur folgende angemerkt: 1) Ein Andante zu
einem Violinkonzert; 2) Ein Konzert für das Waldhorn. 3) _Für die
Harmonika_; 4) für die Klarinette.
_8te Klasse:_ Violinquartetten und Quintetten. Unter den Quartetten sind
die 6, die er Joseph Haydn dedizirte, klassisch. Später im Jahre 1789
im Junius schrieb er 3 konzertante Quartetten für den verstorbenen König
von Preußen; nebst diesen ist noch ein einzelnes Quartett aus #D# im
Jahr 1786 geschrieben, und _eine einzelne Fuge_.
_Originalquintetten_ sind in dem Verzeichnisse nur 4 aufgezeichnet; aus
#C#, #G mol#, #D dur# und #Eb#. Er schrieb bey seinem Aufenthalte in
München 1782 einige Nachtmusiken #à quadro# mit Begleitung 2er
Waldhörner, die man füglich als Violinkonzerte betrachten kann -- alle
diese Sachen sind voll Gedanken und Schönheiten. Ein konzertantes
Divertimento für 3 Stimmen, die Violin, Bratsche und das Violoncello ist
vorzüglich schön und voll hoher Kunst. Die 2 Duetten für die Violin und
Bratsche sind bekannt und beliebt genug.
_9te Klasse:_ Parthien für blasende Instrumente zu Tafel- und
Nachtmusiken. Hier in Prag sind mehrere bekannt. Ihre Schönheiten sind
bezaubernd, und reißen auch das gefühlloseste Herz hin. Es existirt auch
eine Nachtmusik aus 13 blasenden Instrumenten von seiner Arbeit.
_10te Klasse: Tanzstücke._ Mozart schrieb mehrere Parthien, Menuetten
und teutsche Tänze für den Kaiserl. Redouten Saal zu Wien. Wie sehr
diese Sachen von seiner Arbeit gesucht wurden, sieht man aus dem
Verzeichnisse, wo jeden Karneval eine Menge Menuetten, Teutsche, Walzer
und Kontratänze angemerkt sind.
_11te Klasse: Kirchenmusik_, war das Lieblingsfach Mozarts. Aber er
konnte sich demselben _am wenigsten_ widmen. Die Messen, die von ihm
übrig sind, wurden bey verschiedenen Gelegenheiten und Einladungen
verfertigt. Alle, die wir hier in Prag gehört haben, tragen den Stempel
seines Genies. In dem Verzeichnisse ist keine einzige Messe angezeigt --
ein Beweis, daß alle, die wir haben, in frühere Zeiten seines Lebens zu
setzen sind. Nur ein Graduale auf den Text: #ave verum corpus# hat er im
Junius 1791 verfertiget.
Mozart würde in diesem Fache der Kunst seine ganze Stärke erst gezeigt
haben, wenn er die Stelle bey St. Stephan wirklich angetreten hätte; er
freute sich auch sehr darauf. Wie sehr sein Genie für den hohen Stil des
ernsten Kirchengesanges gemacht war, beweiset seine letzte Arbeit, die
_Seelenmesse_, die gewiß _alles_ übertrifft, was in diesem Fache bisher
ist geleistet worden, und nicht so bald übertroffen werden wird.
Nebst diesen Gattungen seiner Werke hinterließ er 10 #Canoni# blos für
Singstimmen; und zwar 8 vierstimmige, und 2 dreystimmige, sowohl
komische, als ernsthafte. Sie sind nicht nur Meisterstücke in der Kunst
sondern auch sehr unterhaltend.
Zum Schlusse setzen wir noch eine Anekdote her, die mehr als eine
Lobrede sagt. Ein alter italienischer Impressarius einer
Operngesellschaft in Teutschland, der es an seiner Kasse zu fühlen
schien, daß seit Mozart keine andern Opern, am wenigsten die von
welschen Authoren gefallen wollen, pflegte immer, so oft er in seiner
Opernregistratur auf eine Oper von Mozart kam, mit einem Seufzer
auszurufen: _Der ist mein Unglück!_
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Bigger font: =bigger font=
Antiqua: #text in Antiqua font#
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p. 004: und deu Thatsacheu -> und den Thatsachen
p. 006: Es ist noch uicht fertig -> nicht
p. 009: [added period] Tanzstücke u. d. gl -> u. d. gl.
p. 011: ihn nicht weier stören -> weiter
p. 013: [added comma] in einer Sache, wo das
p. 013: auserordentlich großen Talent -> außerordentlich
p. 015: zweyten Tochter der Königs -> des
p. 016: den 10 April 1764 -> 10. April
p. 017: konnte man ihm kaum vom Spielen -> ihn
p. 020: mit den man ihn aufnahm -> dem
p. 021: zu schatzen verstehen -> schätzen
p. 024: den vollendesten Künstler hörten -> vollendetesten
p. 025: Der Pabst durch alle die Wunder -> Papst
p. 025: [deleted period] den Karneval von 1773. eingegangen
p. 031: München eine Oper seria zu schreiben -> Opera
p. 033: der schon damal der Stolz -> damals
p. 036: [deleted comma] Man sieht, es diesen Quartetten an
p. 041: obschon sie wohl hundermal gehört waren -> hundertmal
p. 042: empfing ihm das ganze -> ihn
p. 043: Der große Rnf seines Namens -> Ruf
p. 044: oft von da Einladuugen -> Einladungen
p. 045: vom dem Roste der Mode -> von
p. 048: eben so geheimnißvoll als merkmürdig -> merkwürdig
p. 048: sich in dieser Gattuug -> Gattung
p. 053: der Unbekannte Verehrer -> unbekannte
p. 054: [added comma] und wahrlich, bis jetzt
p. 055: ein feyrrliches Seelenamt -> feyerliches
p. 057: das Haus voll, nnd die Einnahme gut -> und
p. 057: [deleted comma] nicht weniger, als 30,000 Gulden
p. 057: [added comma] eine Summe, über die
p. 060: über ihn so streng urtheien -> urtheilen
p. 062: so drückt sich ein Berliner Wochenblatt, worinn -> aus, worin
p. 068: [added comma] zu dem einfachen Liede, von der
p. 070: die Meisterstücke der Römer und Griechen -> Die
p. 072: [deleted comma] 20, bis 30 Jahre alt
p. 072: bey dem gewöhnlichen Kompositionen -> den
p. 072: von so unbestimmten Charakter -> unbestimmtem
p. 072: [added comma] Anmuth und Lieblichkeit, diese wahren Zaubermittel
p. 082: [added comma] damit herum, dachte sich
p. 085: die am 30 September geschah -> 30. September
p. 092: Schriftsteller der gebildesten Nationen -> gebildetesten
p. 093: Unter guten Freuden -> Freunden
p. 096: nach eigenem Geständuisse -> Geständnisse
p. 096: Menschrnfreundlich und uneigennützig -> Menschenfreundlich
p. 096: den Werh des Geldes -> Werth
p. 096: nnd zog sich dadurch -> und
p. 100: [deleted period] seit dem Jahre 1784. bis -> 1784 bis
p. 101: Eine Klavierkantatate -> Klavierkantate
p. 101: das Neue in ihrer Ausführuug -> Ausführung
p. 102: verdienen hier allerdings einen Plaz -> Platz
p. 102: Wie ihr Schöpfer kannt' und grif -> griff
p. 107: wo Popularität uöthig war -> nöthig
p. 111: in leiblicher Eintracht gepaart -> lieblicher
p. 116: auch das gefülloseste Herz -> gefühlloseste
p. 116: [added comma] mehrere Parthien, Menuetten und teutsche Tänze
p. 117: sieht mau aus dem -> man
p. 117: 11te Klase: Kirchenmusik -> Klasse
p. 118: sondern auch sehr unhaltend -> unterhaltend