4. Juni 1898.

Meine kleinen Mädels und zwei Frauen kauern auf der Veranda hinter

dem Hause und reiben Weizen zu Mehl; ihre Handmühle besteht aus einem

flachen, muldenartig vertieften Stein, auf welchem sie die Körner mit

einem andern Stein zerreiben. Ihr fröhliches Lachen und Singen dringt

bis zu uns herein, so daß ich sie ab und zu zur Ruhe bringen muß, da

wir bei dem Lärm nicht arbeiten können. Die Jungen sieben das Mehl

durch; ich erziele so ein wirklich gutes, reines Brotmehl.

Mit der Ernte, unserer zweiten in Uhehe, sind wir sehr zufrieden:

5 Lasten Saat haben 106 Lasten = 53 Zentner ausgedroschenen Weizen

ergeben.

Heute habe ich einen 80 Pfund schweren Elefanten-Stoßzahn im Werte

von 400 Rupien gekauft, ein schöngeschwungenes Prachtexemplar und

großartiges Dekorationsstück! Es sah bei mir aus wie in einem Laden:

auf dem Boden hatte ich alles ausgebreitet, was sich die Leute als

Gegenwert gedungen hatten; nun suchte sich jeder nach seinem Geschmack

und Bedarf aus. Sie waren so vergnügt über das gute Geschäft, daß sie

wie berauscht mit ihren Schätzen abzogen. Die Händler in der Stadt

werden nun ein paar gute Tage haben.

Die deutsche Reichspost funktioniert übrigens doch noch nicht mit

fahrplanmäßiger Sicherheit, trotz des neuen Briefkastens: unsere

Weihnachtskiste aus Liegnitz ist heute erst angelangt. Wir sehen hier

aber weniger auf die Fixigkeit, und wenn’s nur mit der Richtigkeit

stimmt, dann ist die Weihnachtsfreude auch im Juni groß! Diesmal bin

ich persönlich aber auch ganz besonders auf meine Kosten gekommen:

Schokolade, gefüllt und ungefüllt, verzuckerte Walnüsse, Pralinés,

gebrannte Mandeln -- für die ich immer geschwärmt! -- und von Leutnant

Glauning aus Berlin ein Postkistchen voll herrlichsten, auserlesensten

Konfektes und Früchte! Seit zwei Jahren hatte ich solche süßen

Herrlichkeiten nicht gesehen -- und nun dieser _embarras de richesse_!

Tom meint, unter einer gründlichen Magenverstimmung würde es wohl nicht

abgehen! Aber nein: es wird hübsch haushälterisch mit den Schätzen

gewirtschaftet, nur so ab und zu einmal genascht. Der Wein, von dem mir

die Eltern schreiben, ist nicht mitgekommen, aber die Schuhe passen

vorzüglich. Bis auf die gefüllten Schokoladensachen, aus denen der

Likör ausgeflossen, kam alles in tadellosem Zustande an.

Eine deutsche Frau im Innern Deutsch-Ostafrikas Elf Jahre nach Tagebuchblättern erzählt · 第 117 / 132 题