Meine kleinen Mädels und zwei Frauen kauern auf der Veranda hinter
dem Hause und reiben Weizen zu Mehl; ihre Handmühle besteht aus einem
flachen, muldenartig vertieften Stein, auf welchem sie die Körner mit
einem andern Stein zerreiben. Ihr fröhliches Lachen und Singen dringt
bis zu uns herein, so daß ich sie ab und zu zur Ruhe bringen muß, da
wir bei dem Lärm nicht arbeiten können. Die Jungen sieben das Mehl
durch; ich erziele so ein wirklich gutes, reines Brotmehl.
Mit der Ernte, unserer zweiten in Uhehe, sind wir sehr zufrieden:
5 Lasten Saat haben 106 Lasten = 53 Zentner ausgedroschenen Weizen
ergeben.
Heute habe ich einen 80 Pfund schweren Elefanten-Stoßzahn im Werte
von 400 Rupien gekauft, ein schöngeschwungenes Prachtexemplar und
großartiges Dekorationsstück! Es sah bei mir aus wie in einem Laden:
auf dem Boden hatte ich alles ausgebreitet, was sich die Leute als
Gegenwert gedungen hatten; nun suchte sich jeder nach seinem Geschmack
und Bedarf aus. Sie waren so vergnügt über das gute Geschäft, daß sie
wie berauscht mit ihren Schätzen abzogen. Die Händler in der Stadt
werden nun ein paar gute Tage haben.
Die deutsche Reichspost funktioniert übrigens doch noch nicht mit
fahrplanmäßiger Sicherheit, trotz des neuen Briefkastens: unsere
Weihnachtskiste aus Liegnitz ist heute erst angelangt. Wir sehen hier
aber weniger auf die Fixigkeit, und wenn’s nur mit der Richtigkeit
stimmt, dann ist die Weihnachtsfreude auch im Juni groß! Diesmal bin
ich persönlich aber auch ganz besonders auf meine Kosten gekommen:
Schokolade, gefüllt und ungefüllt, verzuckerte Walnüsse, Pralinés,
gebrannte Mandeln -- für die ich immer geschwärmt! -- und von Leutnant
Glauning aus Berlin ein Postkistchen voll herrlichsten, auserlesensten
Konfektes und Früchte! Seit zwei Jahren hatte ich solche süßen
Herrlichkeiten nicht gesehen -- und nun dieser _embarras de richesse_!
Tom meint, unter einer gründlichen Magenverstimmung würde es wohl nicht
abgehen! Aber nein: es wird hübsch haushälterisch mit den Schätzen
gewirtschaftet, nur so ab und zu einmal genascht. Der Wein, von dem mir
die Eltern schreiben, ist nicht mitgekommen, aber die Schuhe passen
vorzüglich. Bis auf die gefüllten Schokoladensachen, aus denen der
Likör ausgeflossen, kam alles in tadellosem Zustande an.