Am 1. August kam Oberst Liebert zur Station zurück, mit ihm Herr v.
Bruchhausen und Graf Fugger, während Tom die Expedition weiter leitete.
Wenn auch der Zweck nicht erreicht war und unser Todfeind Quawa auch
diesesmal wieder entkam, so sprach der Gouverneur doch seine Freude
aus, jetzt auch den „afrikanischen“ Krieg praktisch kennen gelernt zu
haben; wie Tom so hat auch er mit seinen Begleitern einen Höhlenkampf
mitgemacht: er war an eine der Höhlen herangetreten, um die Insassen
zum friedlichen Herauskommen zu bewegen, als ihm ein Schuß aus
nächster Nähe entgegenkrachte. Der Geistesgegenwart seines Boys, der
ihn zurückriß, hat der Gouverneur es zu verdanken, daß ihn die Kugel
nicht traf. Eine solche unterirdische Kriegführung war ihm, wie er
mir lachend erzählte, weder 1866 in Böhmen, noch 1870 in Frankreich
vorgekommen.
In Tanangosi hatte sich unser Freund Kiwanga ihm angeschlossen und
seine Krieger für den Quawafeldzug zur Verfügung gestellt. Jetzt war
er wieder zurückgekehrt. Er schien sehr beglückt, daß der Gouverneur
seine Leute gelobt habe, als er sie ihm truppweise „im Laufschritt“
vorgeführt hatte und ließ es sich nicht nehmen, seine Scharen nun auch
im Kriegstanze zu zeigen, von dem ich dem Gouverneur viel erzählt
hatte. Dabei wurde ich durch die unbewußte Galanterie eines dieser
schwarzen Helden etwas in Verlegenheit gesetzt: anstatt vor dem
Gouverneur kniete einer der den Reigen anführenden Wahehekrieger vor
mir nieder; auf meinen Wink verbesserte er aber sofort diesen Irrtum
und brachte dem Gouverneur seine Huldigung. Natürlich tanzte dazu auch
diesesmal der Sultan höchsteigenbeinig an der Spitze seiner Leute;
es mag dem Gouverneur nicht leicht geworden sein, angesichts dieser
grotesken Figur in weißer Uniform mit Tropenhelm, die mit geschwungenem
Säbel die unglaublichsten Luftsprünge ausführte, den nötigen Ernst zu
bewahren. Diesesmal waren Kiwangas Schuhe übrigens der anstrengenden
Übung gewachsen.