28. März 1897.

Heute kamen die Gefangenen mit Hammermeister aus Bueni (Goritz) hier

an, aber nur 17 Mann, auch wieder große kräftige Kerls, vor denen man

sich fürchten konnte. So wild und wüst im Aussehen, wie man sich die

Räuber vorstellt. Von den 25 Gefangenen waren sechs schon bei Goritz

ausgebrochen, dann noch zwei bei Winkler; sie stecken natürlich hier in

unserer Nähe im Pori.

Eine Freude! Von Tom Nachricht; er ist gestern bis zu Stephan, also

zehn Stunden, durchmarschiert. Meinen Spaziergang machte ich durch die

Stadt. Die verschiedensten Gomas (Spiele, Tänze) gesehen, denn Leute

von Kilimatinde tanzen anders wie die von Tabora, an der Küste usw.,

auch die Weiber und Männer tanzen wiederum verschieden. Die beginnende

Dunkelheit begünstigte mein Inkognito, war ich aber doch erkannt, dann

beeilten sich die Tänzer, mir ihre schönsten Touren zu zeigen und mir

zu huldigen, was mich natürlich möglichst schnell vertrieb. So in der

Dunkelheit durch die breit angelegten Straßen zu wandern, die sehr

sauber gehalten werden, ist recht interessant. Das ganze Leben spielt

sich auf der Straße ab. Alles lustwandelt, tanzt oder sitzt auf der

Veranda, denn die Wohnung dient nur zum Schlafen oder als Zuflucht bei

Kälte. Die Türe steht stets offen, und da es auf der Straße dunkel ist

(zu Laternen haben wir es noch nicht gebracht), heben sich die um das

Feuer hockenden Gestalten wunderschön ab. Auf der Veranda sitzen sie

auch bei einem kleinen Licht.

Eine deutsche Frau im Innern Deutsch-Ostafrikas Elf Jahre nach Tagebuchblättern erzählt · 第 61 / 132 题