AN-IMAGINATION

Der leidenschaftliche Mensch, der junge Jean-Jacques haftet sich an die

Weisungen seiner Einbildungskraft, Robert tut nur, was er unmittelbar

wahrnimmt. Der Verfasser dachte öfters daran, einen jungen Menschen zu

gestalten, der aus der Welt einer bestimmten Epoche, z.B. der Welt von

1811, zu Glück und Ruhm aufsteigt, 1811: Cambacèrés, der Staatsrat, der

Kaiserliche Hof in den Tuilerien etc.

Der Verfasser wollte vor zehn Jahren einen zärtlichen und anständigen

jungen Mann gestalten, und er machte ihn ehrgeizig, aber doch voller

Imaginationen und Illusion: Julien Sorel.

Er möchte nun diesen Robert völlig frei von jeder Imagination gestalten

außer dieser einen, die dazu dient, alle die nötigen Schliche zu erfinden,

um zu Reichtum zu gelangen; aber Robert gibt sich keineswegs dem müßigen

Vergnügen hin, sich den Reichtum und dessen Genüsse vorzustellen.

Erfahrung hat ihm schon beigebracht, daß sich derlei müßige Träumereien

niemals realisieren. Alors comme alors ist sein Wahlspruch.

Küßt er die schönste Frau, so sieht er nur, was auch der ausgedörrteste

Jockey nicht zu leugnen wüßte, nämlich Schönheit und Wert ihrer

Ohrgehänge. Indem Robert seiner Einbildung nicht das geringste Vergnügen

verdankt, schenkt er der Bequemlichkeit seines Fauteuil größte

Aufmerksamkeit, der Qualität seines Diners, dem Komfortablen seiner

Wohnung etc. etc.

Robert ist, was das Herz anlangt, mit vierzehn Jahren ein vollendeter

kleiner Lump. Er stiehlt Bonbons aus den Auslagen der kleinen Händler,

gemeinsam mit seinem sechzehnjährigen Kameraden Carière. Dieser Carière

hat keinerlei freundschaftliche Gefühle für Robert, erhofft sich aber von

dessen Geschicklichkeit Annehmlichkeiten. Der Verfasser erzählt von

Carière, dem Bastard einer diebischen Kammerfrau. Carière ist anständig

nur eigentlich aus Mangel an Geist; man glaubt, er verspreche was für die

Zukunft. Dadurch ist er Robert von Nutzen; Carière zieht sich aus allen

Einzelheiten geschickt heraus, hat in der Hauptsache das gleiche Verdienst

wie Robert: sein Auge ist nie vom Hauch des Imaginären getrübt.

Er erkennt, was in seinem Interesse liegt, aber er steckt voll kleinem

Stolz. Diese Schwäche liefert das Komische der Figur. Auch Robert ist

nicht ohne diese selbstgefällige Eitelkeit, aber er verneint sie. Carière

liefert das Komische.

Bertrand, höchst simplen Wesens, führt Roberts Befehle aus, ohne sie zu

verstehen.

Damit der Robert Effekt mache, muß man ihn handeln sehen.

Daher darf sein Reichtum noch keine Tatsache sein. Man muß ihn sehen, wie

er sich diesen Reichtum schafft.

Die Äbtissin von Castro · 第 46 / 51 题