Man wird in dem Folgenden keine komponierten Landschaften finden, sondern
wahrhafte Naturansichten. Die Wahrheit muß hier für alle sonstigen Vorzüge
stehen; aber wir leben in einer Zeit, der die Wahrheit nicht genügt und
die sie nicht genug pikant findet. Die sich in dieser Verfassung Geistes
befinden, denen rate ich, jede Woche nur eine der folgenden Geschichten zu
lesen, deren Sprache ich liebe; es ist die des Volkes, voller Pleonasmen
und alle schrecklichen Dinge bei ihrem schrecklichen Namen nennend. Aber
gerade dadurch schildert der Erzähler unbewußt sein Jahrhundert und dessen
gemeinübliche Denkweise.
Die mehreren dieser Geschichten sind wenige Tage nach dem Tode der armen
Teufel niedergeschrieben worden, von denen sie Bericht geben. Meine
Korrekturen versuchten, die Sprache etwas weniger dunkel zu machen, damit
ich nicht schon beim dritten Lesen die Geduld verliere. Es ist ja
überhaupt die Dunkelheit ein großer Fehler des Italienischen oder vielmehr
der acht oder zehn italienischen Sprachen, von denen keine ihre Rivalinnen
besiegt hat, so wie die Sprache von Paris die Montaignes getötet hat. So
sagt man in Rom: vi vedrò domani al giorno, was in Florenz kein Mensch
verstünde. Ich persönlich läse lieber eine Geschichte in englischer als in
italienischer Sprache, sie wäre mir deutlicher.
Nur ein Volk, in dem die Stärke des unmittelbaren Eindruckes, wie in
Neapel, und die Stärke der vom Geiste ohne Pause geförderten Leidenschaft,
wie in Rom, so bedeutend war, vermochte es, in solch hohem Maße
Affektiertheit und Eitelkeit zu unterdrücken oder auszuschalten. Ich bin
nicht sicher, ob man außerhalb Italiens -- und Spaniens vor der Unnatur
des 19. Jahrhunderts -- eine Epoche fände, kultivierter und interessanter
als die der Riccaras, von denen Franklin berichtet, und doch wieder so
sehr ohne Eitelkeit, daß das menschliche Herz fast bloß liegt. In diesem
Jahre 1833 kann ich feststellen, daß man in Frankreich und besonders in
England Totschlag vorwiegend des Geldes wegen begeht. Aber von den beiden
armen Teufeln, die vorgestern hier hingerichtet wurden, hat der
dreiundzwanzigjährige Vivaldi seine Frau umgebracht, weil er eine andere
liebte, und der zweite, siebenundzwanzigjährig, hatte aus politischen
Gründen einen Arzt erschossen, der wahrscheinlich ein Vaterlandsverräter
war. Von Geldinteressen keine Spur.
Rom, 15. Mai 1833.