ZÜRICH 1885-1892, FLORENZ 1892-1901

Im Jahre 1885 ist Böcklin nach Zürich übergesiedelt und hat bis kurz

nach seinem Schlaganfall dort eine ständige Wohnung gehabt. Ein Atelier

hat er sich auf der Höhe von Hirslanden nach eigenem Bedürfnis selbst

bauen lassen. Es ist ein einfacher Riegelbau, der etwa so aussieht

wie ein Güterschuppen und im Volksmunde „Komediwagen“ hieß; über das

unförmliche Äußere soll der Meister selbst erschrocken sein. Dagegen

wirkten die großen leeren Räume des Innern mit ihrer dunkeln Bespannung

und ihrer vortrefflichen Lichtverteilung stimmungsvoll, fast feierlich;

und die farbenprächtigen Bilder erstrahlten da in einem Glanze wie

in keinem Privatraum und keiner Sammlung. Der Zugang war an der

Sonnenstraße, der heutigen Freienstraße. Eine neue Straße, die vom

Meister ihren Namen erhalten hat, berührt heute eine hintere Ecke des

Baues.

In Zürich fand sich Böcklin mit Gottfried Keller. Es war vielleicht

das schönste Erlebnis der letzten Jahrzehnte. Schon die Wahl des neuen

Wohnortes soll durch den Gedanken an den Dichter beeinflußt worden sein.

Es fanden sich viele Berührungspunkte in Weltanschauung, Charakter und

Neigungen. Böcklin, der längere Stellen aus Kellers Prosa auswendig

kannte, schätzte an diesem besonders die Anschaulichkeit der Darstellung

und die Feinheit und Schärfe der Beobachtung. Er hat sich des alternden

Dichters mit rührender Sorgfalt angenommen, er fuhr mit ihm aus und

geleitete ihn sorgsam nach Hause. Zwei Jahre nach der Begegnung entstand

zu Böcklins sechzigstem Geburtstage jenes herrliche Gedicht von Keller.

Wieder zwei Jahre später, 1889, schuf Böcklin die Keller-Medaille zu

des Dichters siebzigstem Geburtstag. Der Dichter, der sonst durch

ungeschicktes Lob aufs äußerste gereizt werden konnte, hat seiner Freude

über diese Denkmünze in der nun bald folgenden letzten Krankheit oft in

gradezu kindlicher Weise Ausdruck gegeben.

An Gottfried Keller erinnert nunmehr manches in Böcklins Werken,

namentlich der liebenswürdige Humor, mit dem Gestalten der Sage oder

Legende mitten in eine Umgebung hingestellt werden, die der Wirklichkeit

entnommen ist.

[Illustration: (medallion)]

Von Gemälden ist gleich nach der Übersiedlung das „Selbstbildnis mit dem

Weinglase“ (Taf. 77) entstanden. Es folgten ferner gleich anfangs die

Umgestaltungen zweier Bilder, die in München geschaffen waren: der

„Tanz um die Bacchussäule“ und der „Überfall von Seeräubern“ (erste, in

München entstandene Fassungen auf Taf. 35 und 36). Die „Ruine am Meer“

wird nun zur „Burgruine“ (Taf. 78) im Norden. Dann aber begann der

Genius loci zu wirken und es entstanden Bilder, zu denen ihn neue

Erlebnisse und die neue Umgebung befruchtet hatten. Charakteristisch

sind für diese Zeit die Schöpfungen, deren Vorwürfe zum Teil an Ludwig

Richter oder Schwind erinnern. „Sieh, es lacht die Au“ (Taf. 84), vor

allem die „Heimkehr des Landsknechts“ (Taf. 83), dann der „Gang zum

Bacchustempel“ (Taf. 89), die „Alten in der Gartenlaube“ (Taf. 90), die

„Mariensage“ (Taf. 91). Und die Bilder des tollsten Humors: „Spiel der

Najaden“ (Taf. 80), „Susanna“, „Kentaur in der Dorfschmiede“ (Taf. 86).

Die Farbenpracht dieser Schöpfungen ist aufs höchste gesteigert,

namentlich ist das leuchtende Rot nun eine stets wieder dominierende

Note. Die Worte Kellers: „Schauen wir der Iris Bogen, wenn der hellste

Himmel blaut“, passen auf keine Epoche Böcklins so gut wie auf die

Zürcher Zeit. Der Meister liebte die Farben des Zürcher Sees und der

neue Wohnort war sicher von Einfluß auf sein Kolorit. Es sind auch die

Motive einiger gefeierter Bilder in der Umgebung seines Wohnsitzes

festgestellt worden. Um alles zu erreichen, was im Bilde zu sagen ist,

versucht er es jetzt auch mit mehrteiligen Gemälden, wo der Gegensatz

des einen Bildes die Wirkung des andern steigern sollte; so entstanden

die „Mariensage“, der „Hl. Antonius, den Fischen predigend“ (Taf. 92),

die „Venus Genitrix“ (Taf. 94), die zwar erst später signiert, aber

schon 1892 fast vollendet gewesen ist.

Als Stütze bei der Erschaffung seiner umfangreichen Tafelgemälde dienten

in dieser Zeit öfters Entwürfe in Bleistift, Kohle oder Kreide in

kleinstem Format. Böcklin malte jetzt mit Vorliebe auf Holz und entwarf

die Komposition auch etwa gleich mit gewöhnlicher Kreide auf den

Malgrund. Wenn umfangreiche Änderungen nötig wurden, ließ er einen

Teil der Tafel wieder abhobeln.

In die Zürcher Zeit fallen auch die erneuten Versuche, plastische Werke

künstlerisch zu bemalen, die gemeinsam mit dem Schwiegersohne, dem

Bildhauer Peter Bruckmann, unternommen wurden. So schuf er den

„Froschkönig“, den zweiten Medusenschild, das Relief „Mutter und Kind“

und endlich die Büste der Frau Böcklin.

Es fehlte in diesen Jahren nicht mehr an außergewöhnlichen Ehrungen. Es

wurde der Maler 1889 Ehrenbürger der Stadt Zürich. Das Aufsehen, das die

Gottfried-Keller-Medaille erregt hatte, veranlaßte die Schweizerische

Bundesregierung, auch die Medaille für das Jubiläum der Schweizerischen

Eidgenossenschaft dem Meister zu übertragen. Es ging damit aber noch

schlimmer wie in Breslau.

Nach Kellers Tod begann auch Böcklins Gesundheit zu wanken. Im

Herbst 1891 ist er von einer Reise nach Berlin mit einer nicht ganz

unbedenklichen Krankheit zurückgekehrt. Am 14. Mai 1892 traf ihn jener

erste Schlaganfall, der die Lähmung der letzten Jahre zur Folge hatte

und dem andere folgten. Als er notdürftig hergestellt war, drang die

Gattin darauf, daß er an der Riviera, die ihm schon so oft wohlgetan

hatte, seine Gesundheit suchen solle. Das Ehepaar wandte sich nach

Viareggio, ging nach etwa vierzehn Tagen nach Porte dei Marmi bis Ende

September und dann nach San Terenzo am Golf von Spezia. Hier ist eine

kleine Farbenskizze in Hochformat entstanden, eine „Villa am Meer“, im

Vordergrund ein großes Blumenbeet, ein Heim, wie der Künstler es sich

damals träumte. Böcklin trug sich zur Besorgnis seiner Gattin mit der

Hoffnung, eine ganze Insel erwerben zu können und sie künstlerisch

auszugestalten.

Um die Jahreswende siedelt er nach der Villa Torre rossa am Abhang von

Fiesole über und beginnt wieder zu arbeiten. Er hat dort das Bildnis

der Frau Dr. Meyer aus Freiburg gemalt. Die Zeit vom April bis November

1893 verbrachte er noch einmal in San Terenzo; hier schuf er sein

Selbstbildnis für die Basler Sammlung. Der Künstler fühlte sich wieder

ordentlich bei Kräften.

Wie in Dürers letzten Jahren kommt auch bei ihm der Drang zum Mitteilen

seiner künstlerischen Erfahrungen. Dagegen hielt er es für ganz

unmöglich, dies brieflich oder in einer Abhandlung zu tun.

Herbst 1893 bis Frühjahr 1895 wohnte er wieder in Florenz, Viale

Principe Amedeo 12, um dann in eine eigene Villa überzusiedeln. Nach

einer Postkarte vom 1. Januar 1894 kann er wieder „arbeiten wie ein

Pferd“. Er hat in der Tat in den kühleren Monaten der Jahre 1893/94 und

1894/95 noch einmal erstaunlich viel zustande gebracht. Noch im Jahre

1893 ist eine erste Fassung „Francesca da Rimini“ (Taf. 93) entstanden

und datiert worden. Im April 1894 standen zwei neue Bilder, der „Orlando

furioso“ und eine „Ruine am Meer“, sowie die „Venus Genitrix“ (Taf. 94)

auf der Staffelei. Die heißen Monate freilich pflegte Böcklin in den

letzten Jahren auf Reisen und im Seebade zu verbringen, und in den

Frühsommer 1894 fällt jene Reise nach Berlin bei Anlaß der Gründung der

Zeitschrift „Pan“, die sich zu einem wahren Triumphzug gestaltete. Im

Herbst siedelte dann auch sein Sohn Carlo nach Florenz über, und der

Alte empfand es als eine große Wohltat, an ihm einen Helfer zu haben,

welcher die stets verhaßten geschäftlichen Angelegenheiten besorgte, und

auch als gelernter Architekt die Villa nach seinen Wünschen umbaute.

Im zweiten Florentiner Winter 1894/95 wurde eine ganze Reihe von

Arbeiten abgeschlossen wie die letzte Version der „Nacht“, die „Ruine am

Meer“, die „Venus Genitrix“, und sogar neue begonnen, wie ein „Apostel

Paulus“, eine zweite „Francesca da Rimini“ und eine späte „Jagd der

Diana“.

Der Umzug in die eigene Villa fand im April 1895 statt.

„So habe ich endlich eine Heimat, nachdem ich lange genug herumgetrieben

worden als heimatloser Vagabund“, schreibt er an seine Schwester unterm

27. April 1895. Böcklin war siebenundsechzig und ein halbes Jahr alt,

als die Tage seines Vagabundenlebens gezählt waren. Die Villa sieht man

von weitem am Abhang von Fiesole, etwas unterhalb des Städtchens und

gegen rechts hin, also gegen Osten; daneben etwas weiter rechts die

später erworbene Villa des Sohnes und zwischen beiden, unmittelbar

darüber, die Villa mit dem roten Turm (Torre rossa), wo die Ehegatten im

Winter 1893 gewohnt hatten. Das Gebiet gehört nicht zum nahen Fiesole,

sondern noch zu San Domenico, einem weiter unten liegenden Vororte von

Florenz. Fremde, die die Stätte betreten durften, glaubten, Böcklin habe

sich von dieser Besitzung zu seinen Bildern anregen lassen und meinten,

da lerne man Böcklins Kunst erst verstehen. In der Tat fand der Meister

vieles von dem Schönen, was er jahrzehntelang in sich herumgetragen und

gemalt hatte, im Alter in seiner Besitzung vereinigt. Eine Privatstraße

führt am Bergabhang entlang zum Hause, rechts zwischen Bäumen winkt auf

einer weit vorspringenden Terrasse eine Marmorsäule mit einer Büste, wie

die Statue im „Heiligen Hain“. Wie dort empfängt der Schatten der Bäume

den Besucher, der durch das Gartentor eintritt.

Böcklin hat die Wohltat des eigenen Heims tief empfunden und begann

sofort mit der Ausschmückung. Auf diese Weise sind die „Supraporten“

entstanden und die Malereien in pompejanischer Art in einer Loggia. Auch

eine ganze Reihe von Staffeleibildern ist in diesen letzten fünf Jahren

noch begonnen und zu Ende geführt worden. Die Vorwürfe sind freilich

meist düsterer Art, Krieg (Taf. 95), Pest, Melancholie. Es ist, als ob

er das Unheil, das sich damals schon über Europa zusammenzog, bemerkt

und die Katastrophe vorausgesehen hätte. Ganz fehlte es freilich nicht

an heiteren Werken. Er feierte noch immer die Liebe und hat ganz zum

Schluß noch einmal ein Triptychon geschaffen, dem er die Schillerschen

Verse mit auf den Weg geben konnte: Horch, der Hain erschallt von

Liedern -- Und die Quelle rieselt klar. -- Raum ist in der kleinsten

Hütte -- Für ein glücklich liebend Paar.

Im dritten Jahre des Aufenthalts in der eigenen Villa ist Böcklin

ein Siebziger geworden, und während der sechzigste Geburtstag noch im

kleinen Kreise gefeiert worden war, wurde der siebzigste Anlaß zu großen

z.T. überwältigenden Kundgebungen in Deutschland und der Schweiz, und

die Behörden der Vaterstadt und des Vaterlandes entschlossen sich zu

Ehrungen, die in demokratischen Gemeinwesen selten sind. Das Erhebendste

waren die Ausstellungen in Basel und Berlin, die beide etwa ein Drittel

des Gesamtwerkes vereinigen konnten. Da staunten Verehrer, die Böcklin

seit Jahrzehnten bewundert hatten, es verstummten Greise, die zwei

Menschenalter spöttelnd neben dem Altersgenossen einhergegangen waren.

Diese Ehrungen weckten auch in der zweiten Heimat ein Echo, die

Fiesolaner brachten dem fremden Pittore einen Fackelzug. Die Direktion

der Uffizien hatte Böcklin schon früher seit 1894 wiederholt um ein

Selbstbildnis gebeten.

Noch einmal muß der Künstler in der Folgezeit einen Anlauf genommen

haben. Aber wer ihn 1896 gesehen, erschrak im Frühjahr 1898 über sein

Aussehen. Die Beine wurden steifer und das Sprechen wurde ihm schwer.

Im Januar 1900 kam dann noch eine Influenza. Aber sein zäher Körper

hielt noch fast ein Jahr lang stand. Er hat die Arbeit noch einmal

aufgenommen, er verfolgte mit Schmerzen und ohne Hoffnung den Untergang

des Burenvolkes, selbst das erschütternde Bild eines Helden, mit dem es

zu Ende geht. Er las noch seinen Goethe und freute sich des Schattens

seiner Platanen.

Am 16. Januar 1901 ist er im Alter von 73 Jahren nach kurzem Unwohlsein

entschlafen. Er liegt begraben auf dem Campo Santo degli Allori, dem

protestantischen Kirchhof am Wege nach der Certosa.

Der Meister ist auch in seinen letzten Werken nicht dem handwerksmäßigen

Betrieb verfallen, wenn auch das Alter und dann die Krankheit sich

geltend gemacht haben; er ist ein Künstler bis zum letzten Strich und

ein Erfinder bis zum letzten Bilde geblieben. Die Vergeistigung des

Materiellen und der Ausdruck in jedem Pinselstrich scheint seinen

Höhepunkt erst in solchen Werken zu erreichen, die in der Komposition

bereits die Folgen von Alter und Krankheit verraten. Fehlt auch jetzt

die geschlossene Wucht der achtziger Jahre, so findet er doch noch

Farbenkombinationen von hinreißender Schönheit, die noch kaum einem

Koloristen früherer Zeiten gelungen waren, und in der „Ruine am Meer“

von 1894/95 hat er den Wolken und dem Meere Reize abgesehen, die so neu

sind, als ob er früher an ihnen achtlos vorbeigegangen wäre. Der Meister

war vielleicht der gebildetste Maler seines Jahrhunderts, aber das

Aussehen seiner Bilder hat trotz all seiner rechnerischen Überlegungen

etwas momentan Eingegebenes und trotz der Bestimmtheit seiner

Ausdrucksweise etwas Visionäres, Traumhaftes, fast Dilettantisches.

Böcklin wurde und wird denn auch noch heute von vielen zünftigen und

fast allen akademischen Vertretern seines Berufes abgelehnt und er

hat sein Publikum zuerst bei Dichtern, Musikern und solchen bildenden

Künstlern gefunden, die Eindrücke von seinen Werken empfangen haben,

bevor sie selber alle Weihen ihrer Zunft erhalten hatten. Der Abstand

vom Üblichen war einst zu groß und ist es noch heute.

Aber es fragt sich, ob nicht jener Bildhauer recht hatte, der schon

in den fünfziger Jahren meinte, Böcklin sei mehr Künstler als andere

Künstler, und ob nicht die Zünftigen späterer Zeiten dies anerkennen

werden. Die Hochflut der Böcklinbegeisterung ist heute verebbt und zwei

Künstler, die ein Jahrzehnt jünger sind, nehmen die Stelle ein, die vor

zwei Jahrzehnten unserem Meister eingeräumt wurde: Cézanne und Hans

von Marées. Aber solche Änderungen des Zeitgeschmackes treten mit

psychologischer Notwendigkeit ein und sie haben für die Unsterblichkeit

nichts zu bedeuten. Es sollte zu denken geben, daß gerade Hans von

Marées dem Menschen und dessen Künstlertum die Anerkennung nie versagen

konnte, obwohl er einen eigenen und damit einen anderen Weg gegangen

ist.

Böcklin ist im Leben dem Vorteil stets aus dem Wege gegangen, wenn

seine Kunst gefährdet schien. Was in seinen Werken dem oberflächlichen

Beurteiler ein geistreicher oder unverständlicher Einfall schien, war

die natürliche Folge einer langen, schrittweisen Entwicklung, die sich

im Stillen vollzogen hatte, war eine Idee, die mit unwiderstehlicher

Gewalt zum Ausdruck kam. Es war dem Künstler vergönnt, durch die Arbeit

vieler Jahrzehnte einen Stil auszubilden, der sich von dem der anderen

Menschen unterschied und mit einer Deutlichkeit ohnegleichen seine

eigenen Ekstasen wiedergab. Ein und dasselbe Motiv wurde wie die Madonna

bei den alten Meistern immer und immer wieder dargestellt und immer und

immer wieder umgegossen, bis alle Schlacken der Tradition verschwunden

waren und der herrlichste Ausdruck seiner tiefsten Gefühle erstand.

Angesichts des Gesamtwerkes sollte man anerkennen, daß Böcklin gewachsen

ist wie ein Baum, der nicht beschnitten wurde, und man sollte diese

Vollnatur nicht in das Prokrustesbett fremder Ideale zwingen wollen.

Unter den Bildnissen gibt das in München entstandene „Selbstbildnis

mit dem fiedelnden Tod“ (Taf. 37) wohl die tiefsinnigsten Andeutungen

über den melancholischen Unterton seiner enthusiastischen Kunst. Den

äußeren Menschen, wie er in der Blüte der Jahre den Freunden erschien,

verkörpert am besten das etwas spätere, in Florenz entstandene, das

unser Titelblatt ziert. In jenen letzten Jahren, da der Verfasser

ihn noch hat sprechen können, bot er einen ehrwürdigen Anblick und

überraschte durch sein sachliches, fast nüchtern zu nennendes Urteil.

Nur die Augen verrieten sofort die außerordentliche Erregbarkeit. Er

verband mit der Genialität „jene kleinbürgerliche, fast philiströse

Schlichtheit“, eine Mischung, die man mit Ad. Frey gewiß als etwas

spezifisch Schweizerisches bezeichnen darf. Aber nur der Rock war

schlicht. Sein Geist hatte die Flügel der Morgenröte und es war ihm

vergönnt, dem Gesang der Seligen zu lauschen, wenn er sich auf stolzen

Fittichen von der Erde erhob.

Arnold Böcklin · 第 14 / 15 题