MARIE: Und wenn! Trag Sie Ihr Aug zum Jud, und lass Sie sie putze;
vielleicht glaenze sie noch, dass man sie fuer zwei Knoepfe verkaufen
koennt.
MARGRET: Was, Sie? Sie? Frau Jungfer! Ich bin eine honette Person,
aber Sie, es weiss jeder, Sie guckt sieben Paar lederne Hose durch!
MARIE: Luder! - [Schlaegt das Fenster durch.] - Komm, mei Bub! Was die
Leute wolle. Bist doch nur ein arm Hurenkind und machst deiner Mutter
Freud mit deim unehrlichen Gesicht! Sa! sa! - [Singt]
Maedel, was fangst Du jetzt an?
Hast ein klein Kind und kein' Mann!
Ei, was frag' ich danach?
Sing' ich die ganze Nacht
heio, popeio, mei Bu, juchhe!
Gibt mir kein Mensch nix dazu.
[Es klopft am Fenster.]
MARIE: Wer da? Bist du's, Franz? Komm herein!
WOYZECK: Kann nit. Muss zum Verles'.
MARIE: Hast du Stecken geschnitten fuer den Hauptmann?
WOYZECK: Ja, Marie.
MARIE: Was hast du, Franz? Du siehst so verstoert.
WOYZECK [geheimnisvoll]: Marie, es war wieder was, viel - steht nicht
geschrieben: Und sie, da ging ein Rauch vom Land, wie der Rauch vom
Ofen?
MARIE: Mann!
WOYZECK: Es ist hinter mir hergangen bis vor die Stadt. Etwas, was
wir nicht fassen, begreifen, was uns von Sinnen bringt. Was soll das
werden?
MARIE: Franz!
WOYZECK: Ich muss fort. - Heut abend auf die Mess! Ich hab wieder
gespart. - [Er geht.]
MARIE: Der Mann! So vergeistert. Er hat sein Kind nicht angesehn!
Er schnappt noch ueber mit den Gedanken! - Was bist so still, Bub?
Furchtest dich? Es wird so dunkel; man meint, man waer' blind. Sonst
scheint als die Latern herein. Ich halt's nit aus; es schauert mich! -
[Geht ab.]