»Doch, er soll!« rief der Herzog, und Kasperle wurde auf den Bock gehoben.
Er wollte erst noch Abschied von seinem Michele und Rosemarie nehmen, aber
der Herzog brummte: »Laß das, du gehörst mir und damit basta!«
Da konnte Kasperle nicht einmal Abschied von seinen Freunden nehmen. Er saß
auf dem Bock, zwischen Kutscher und Diener, und heidi, fort ging die Fahrt!
Kasperle winkte und winkte noch, solange er Michele und Rosemarie sehen
konnte, aber dann entschwand das Schloß seinen Blicken, er fuhr in die
Fremde hinein.
»Uff!« schrecklich tief seufzte Kasperle, und der Diener fragte mitleidig:
»Du hast wohl Hunger?«
Aber ach, da fing das Kasperle an zu heulen nach Kasperleart. Innen im
Wagen erschrak der Herzog furchtbar. »Was ist das?« rief er. »Uns rennt
wohl ein wildes Tier nach? Halten, halten!«
Der Wagen hielt, Kasperle heulte unverdrossen weiter; und der Herzog bog
sich erschrocken zum Fenster hinaus. »Was ist geschehen?«
»Mit Verlaub, Euer Gnaden, Kasperle heult,« antwortete der Diener.
»Kasperle heult!« Ganz verwirrt schaute der Herzog drein, aber die
Prinzessin Gundolfine schrie: »Das ist eine neue Bosheit von ihm. Prügel
muß er haben!«
»Er soll gleich still sein, sonst gibt es Haue,« rief der Herzog. »Und dann
steckt ihn in den Gepäckwagen, das ist besser.«
Also wurde Kasperle in den Gepäckwagen gesteckt, zwischen alle Koffer,
Schachteln und Kisten mitten hinein, und der Diener, der es tat, gab ihm
mitleidig noch ein Paket Butterbrote. »Nun mach' also keine Dummheiten!«
sagte er gutmütig. Er schloß die Türe, und weiter ging die Reise.
Rumpel, pumpel, die Koffer und Schachteln wackelten hin und her, und
Kasperle dachte: Na, schön ist das gerade nicht! Alle naselang bekam er
einen Stoß von einem Koffer, und das wurde ihm doch zu toll. Er fing also
an zu klettern und saß schließlich oben auf einer großen Rundschachtel. Da
setzte er sich recht behaglich hin und begann zu schmausen. Aber gerade wie
er beim dritten Butterbrot angelangt war, gab es einen lauten Krach: der
Deckel der Schachtel barst und Kasperle fiel hinein. Er lag ganz weich
zwischen Spitzen, Federn, Blumen und Bändern; er war nämlich in die
Haubenschachtel der Prinzessin Gundolfine gefallen.
Kasperle wuschelte und raschelte darin herum, warf dabei etliche
Staatshauben hinaus, ein paar, die weich und fein waren, knüllte er
zusammen, da hatte er ein schönes Kopfkissen, und dann setzte er sich noch
eine riesengroße seidene, vielfach bebänderte Haube auf, rollte sich wie
ein Igel zusammen und schlief ein.
Kasperle verschlief wieder allerlei. Er verschlief zum Beispiel eine
Mittagsrast, die der Herzog in einem kleinen Städtchen hielt.
Weil die Prinzessin Gundolfine so arg wütend war, sagte der Herzog, man
solle Kasperle ruhig im Gepäckwagen lassen, da sei er gut aufgehoben. Also
kümmerte sich niemand um den kleinen Schelm, und nach einer Stunde gingen
die Wagen weiter. Kasperle schlief und schlief.
Am Nachmittag zog sich ein Ungewitter zusammen. Die schwarzen Wolken
rannten dem herzoglichen Wagen nach, und weil sich der Herzog erschrecklich
vor einem Gewitter fürchtete, befahl er, in Dingelhausen solle geschwind
Rast gemacht werden. Dingelhausen war ein herzogliches Gut, und der Pächter
kam gleich angelaufen, als die Wagen alle vor das Schloß fuhren.
Just in dem Augenblicke wetterte es aber auch schon los. Bum, bum, krach!
Der Regen platschte herab, und der Herzog, die Prinzessin und alle Hofleute
rannten in das Schloß hinein, die Wagen wurden in den Schuppen geschoben,
und kein Mensch kümmerte sich um Kasperle.
Der Herzog sagte, er müsse gleich in sein Bett gehen, der Leibarzt riet, er
solle Kamillentee trinken, die Prinzessin rief, sie müsse auch in das Bett
gehen, und erst, als der Herzog im Bette lag, fiel ihm das Kasperle ein. Er
rief erschrocken: »Kasperle ist ausgerissen!« Sein zweiter Kammerdiener
aber kam und sagte, er habe Kasperle in den Wagen, in dem das große Gepäck
sei, gesteckt, da könne er nicht hinaus, und Butterbrote habe er ihm auch
dazu gegeben.
»Na, dann ist's gut!« brummelte der Herzog. »Da mag er nur drin bleiben.
Solange die Prinzessin, meine Base, noch mitreist, ist es besser, Kasperle
kommt nicht zum Vorschein.«
Und dann trank der Herzog lieber Schokolade als Kamillentee, streckte sich
behaglich im Bett aus, denn seine Großmutter hatte behauptet, ins Bett
schlage der Blitz nicht. Um das arme Kasperle aber kümmerte sich niemand.
Ja, die Prinzessin Gundolfine sagte sogar, der Gepäckwagen sei eigentlich
zu gut für das böse Kasperle.