Schrank I und II. Die Antike ist durch galvanoplastische Kopien
ihrer hervorragendsten Goldschmiedearbeiten vertreten: die in ihrer
künstlerischen Form wie in der Treibtechnik gleich wunderbaren Becher
aus Mykenä und Váfio; die spätantiken, zum Teil hellenistischen
Silberarbeiten des Hildesheimer Silberfundes, der Funde von Boscoreale
und Bernay.
Schrank III. Nachbildungen berühmter Goldschmiedearbeiten
des Mittelalters: die vergoldete Silberschüssel im Domschatz
zu Halberstadt, eines der schönsten Werke byzantinischer
Goldschmiedearbeit; von romanischen Arbeiten das Ziborium des
Louvre mit reichem Grubenschmelz; das Welfenkreuz; das Evangeliar
von Wiener-Neustadt; der gehenkelte Kelch des Stiftes Wilten
mit gravierten und niellierten Bildern. Von gotischen Werken:
Kelch mit Volane aus Klosterneuburg; der silberne Monstranzenfuß
aus Klosterneuburg; Gefäße aus dem deutschen Ordensschatz;
Reliquienkästchen, Arm- und Kopfreliquarien aus Zara.
Eines der umfangreichsten Werke mittelalterlicher Goldschmiedekunst die
Arca Simeonis im Dom zu Zara, in galvanoplastischer Nachbildung (frei
aufgestellt).
Schrank IV und IV a. Von dem Aufschwung des deutschen
Goldschmiedehandwerkes im XVI. Jahrhundert geben die Nachbildungen von
Renaissancearbeiten eine Vorstellung. Im Anfang der Renaissance wirken
noch gotische Formen der Treibarbeit nach, die in dem Korvinus-Pokal
von Wiener-Neustadt vielleicht ihren schönsten Ausdruck gefunden hat.
Als die italienische Renaissance in Deutschland durchdrang, da nahmen
sich die Goldschmiede die Maler zu Hilfe, die die italienischen Formen,
die Mode gewordenen mythologischen Darstellungen beherrschten. Da waren
die Vorlagen der Maler und Kupferstecher von höchster Bedeutung für den
ausführenden Handwerker. Von hervorragenden Stücken jener Zeit sind in
Nachbildungen der Landschadenbund-Becher (Graz), der Jamnitzer-Pokal
(Nürnberg), Pokale nach Paul Flynt, Hans Holbein d. J. u. a., ferner
Stücke aus dem Lüneburger Ratssilber ausgestellt.
In der Sammlung des Museums überwiegen an Originalen Stücke aus der
Spätzeit des XVIII. Jahrhunderts.
Vitrine V. An Renaissanceoriginalen sind hervorzuheben ein
Viertraubenbecher aus Lüneburg; ein Wiener Pokal mit ausgebildetem,
fein getriebenem Renaissanceornament; eine ähnliche Arbeit aus
Augsburg; ein mit Medaillons gezierter Nürnberger Pokal mit altem
ergänzten Fuß von Augsburger Arbeit.
Vitrine VI. Ein Nürnberger Kokosnußpokal in vergoldeter Kupferfassung
mit feinem Rankenornament; ein Breslauer Humpen; eine Augsburger
Kanne mit dem getriebenen Bild einer mythologischen Geschichte; ein
Augsburger Pokal mit dem Bandornament der Kleinmeister; zwei Nürnberger
Satzbecher.
Vitrine VII. Ein vergoldeter Tafelaufsatz mit getriebenen figuralen
Bildern; eine schwere Kanne mit graviertem Bandwerk; ein Augsburger
Doppelbecher, in der Gestalt einer bechertragenden Dame (sogenannter
Jungfernbecher); eine Brünner und eine Augsburger Kanne des XVII.
Jahrhunderts. Eine mehr barocke Form zeigt der Wiener Humpen vom Ende
des XVII. Jahrhunderts mit getriebenem Blattwerk.
Vitrine VIII. Barocke Formen des XVII. Jahrhunderts. Zwei ornamentlose
Siebenbürger Becher. Arbeiten mit hochgetriebenen figuralen und
ornamentalen Reliefs. Ein kleiner Becher aus Augsburg.
Vitrine IX. Barockarbeiten Augsburger, beziehungsweise süddeutscher
Provenienz. Ein Regensburger und ein verwandter Augsburger Leuchter
mit schwerem Blattornament; eine prächtige Taufkanne und Schüssel aus
dem Anfang des XVIII. Jahrhunderts; drei kleinere Kannen derselben
Provenienz.
Vitrine X. Augsburger Wöchnerinnenschüsseln und kleines Tischgerät;
ein jüdischer Weinbecher, Nürnberger Arbeit, ein getriebener Becher
desgleichen.
Kultgefäße und -geräte vereinigen die Vitrinen XI bis XIV.
Vitrine XI. Gotische Kelche und ein gotisches Reliquiar.
Vitrine XII. Vortragkreuz, Kupfer vergoldet, mit getriebener Arbeit,
nach der Inschrift von Johannes da Civitella aus Spoleto 1485;
gotischer dalmatinischer Kelch mit Email; ein Breslauer Kelch; ein
deutscher Kelch von 1497. Gotischer Kelch mit Filigranverzierung in
Email.
Vitrine XIII. Italienischer Renaissancekelch; Wiener Monstranz vom
Ende des XVII. Jahrhunderts mit stark getriebenen Barockornamenten und
gegossenem Silberzierat an den Strahlen; ein in Silber getriebener
Cruzifixus aus dem XVII. Jahrhundert.
Vitrine XIV. Ein venezianisches Reliquiar in den verderbten Formen
eines mißverstandenen fremden Stils (Rokoko), XVIII. Jahrhundert; ein
serbisches Reliquiar (volkstümliche Arbeit), dann Arbeiten des XIX.
Jahrhunderts: ein schöner Prager Kelch von 1810; eine Wiener Monstranz
von 1840.
Die nächsten Vitrinen umfassen die weltlichen Silberarbeiten des
klassizistischen Stils.
Vitrine XV. Das Reiseservice des Königs von Rom, eine Arbeit in Vermeil
von dem Pariser Goldschmied Biennais, Anfang des XIX. Jahrhunderts.[1]
Vitrine XVI. Englische Arbeiten aus den Werkstätten von Sheffield; eine
hohe Kanne; eine Reihe von Saucieren und Leuchter.
Vitrine XVII. Verschiedene Silberarbeiten derselben Zeit.
[Illustration: Kelch, XVII. Jahrhundert, mit Schmuckstücken aus dem
XVI. Jahrhundert besetzt]
Vitrine XVIII. Norddeutsche Kannen vom Ende des XVIII. Jahrhunderts.
Vitrine XIX. Ein Tafelaufsatz, Empire; Leuchter derselben Zeit.
Vitrine XX und XXI. Österreichische Silberarbeiten um 1800: eine große
Grazer Kanne und mehrere kleinere derselben Provenienz; Prager und
Brünner Arbeiten.[2]
Vitrine XXII. Teeservice, Wiener Arbeit von 1842, Geschenk der Frau
Baronin Dingelstedt, gewidmet zum Andenken an ihre Mutter Jenny
Dingelstedt-Lutzer.
Vitrine XXIII enthält Arbeiten der Wiener Silberschmiede vom Ende des
XVIII. und vom Anfang des XIX. Jahrhunderts. Die Wiener Arbeiten dieser
Zeit sind durch die Ausstellung alter Gold- und Silberschmiedearbeiten
1907 im Österreichischen Museum erst näher bekannt geworden; den
Mittelpunkt nimmt eine große Suppenterrine ein mit der Wiener Marke
von 1788 und dem Meisterzeichen des Georg Hann. Die andern Objekte der
Vitrine verteilen sich auf eine große Reihe von Meistern, die erst
durch neuere Forschungen bekannt geworden sind. Einen beträchtlichen
Teil der Objekte bilden Geschenke des Herrn Dr. A. Figdor.
[1] Leisching, Eduard, Ein Reiseservice des Königs von Rom. („Kunst
und Kunsthandwerk“, VII, 253.)
[2] Leisching, Eduard, Zur Geschichte der Wiener Gold- und
Silberschmiedekunst. („Kunst und Kunsthandwerk“, VII, 345.)
-- Leisching, Eduard, Die Ausstellung von alten Gold- und
Silberschmiedearbeiten im k. k. Österreichischen Museum. („Kunst und
Kunsthandwerk“, X, 317.)