SCHMUCK UND EMAILARBEITEN.

Wandpult I. Schmuckstücke aus der Antike. Aus der älteren hellenischen

Kultur stammt der kleine Goldreif mit dem getriebenen Bild einer

Löwenjagd, ein Fund aus Eretria, ca. X. bis VIII. Jahrhundert v. Chr.

Eine altitalische Fibel, Silber mit Goldspiralen, gefunden in Benevent,

ca. VI. Jahrhundert v. Ch. Etruskisches Golddiadem, III. Jahrhundert

v. Chr. Etruskische Fibel, Goldfiligranarbeit. Goldener Ohrring mit

Löwenkopf, griechisch-italische Arbeit des IV. Jahrhunderts v. Chr.

Körbchenförmiger etruskischer Ohrring, ca. VI. Jahrhundert v. Chr.

Römische und griechische Ohrringe mit schwebenden Eroten oder

Nikefigürchen und mehrere andere Typen. Römische Fingerringe. Kleine

Goldbüste mit dem Porträt einer Dame, römisch, I. Jahrhundert n. Chr.

Kette mit schwarzen Steinen, römisch, II. bis III. Jahrhundert n. Chr.

Armband, Silber vergoldet, mit Schlangenkopf am Ablauf, römisch, II.

bis III. Jahrhundert.

Bronzeschmuck: Etruskische Zierstücke aus getriebenen Bronzeplättchen

mit Heldengeschichten und Masken von einem Sessel aus einer

etruskischen Grabkammer am Monte Romano.

Tischvitrine II. Hellenische Bronzespiegel und Spiegelkapseln aus dem

V. und IV. Jahrhundert v. Chr.

Wandpult III. Griechische, altitalische und römische Bronzefibeln.

Spätrömischer Bronzeschmuck mit Emailverzierungen, hauptsächlich

Scheibenfibeln, Funde aus Uj-Szöny. Spätrömische Goldschnalle

mit Granateinlagen. Römischer Bronzeschmuck aus der Zeit der

Völkerwanderung (Fibeln in Tierform). Germanischer Schmuck aus der

Völkerwanderung: Goldgürtel und Halskette; Taubenfibel aus Bein

geschnitzt; Bernsteinanhänger; goldenes Armband mit Tierköpfen

und rotem Schmelz am Ablauf. Aus dem frühen Mittelalter: Eiserne

Gürtelschnalle mit Silbertauschierung (Merowingerzeit). Eine

sarazenische Scheibenfibel mit Emailverzierung aus Sizilien, ca. XI.

Jahrhundert n. Chr.

Die Seltenheit und Kostbarkeit des antiken Schmuckes nötigte zur

Erwerbung von Kopien. Von dem strengen Schmuckstil der ältesten

Kultur der westlichen alten Welt geben Abgüsse von den Zieraten aus

den Königsgräbern in Mykenä Kunde (Vitrine IV); nach griechischen,

etruskischen und römischen Originalen sind die Kopien in Vitrine V, die

in den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts von Castellani in Rom

meisterhaft hergestellt wurden. Galvanoplastische Nachbildungen von

dem Goldfund in Vettersfelde (Wandschrank VI) zeigen den merkwürdigen,

orientalisch beeinflußten Stil ostgriechischer, jonischer Goldschmiede;

es sind Schmuckstücke, die für einen Skythenfürsten hergestellt und

in der Völkerwanderung nach Brandenburg verschlagen worden sind.

Im gleichen Schrank unten die galvanoplastischen Nachbildungen des

Schatzes von Petrossa in Rumänien, byzantinische Goldschmiedearbeiten

um 400 n. Chr.

Vitrine VII und VIII. Mittelalterliche Emailarbeiten. Das XII. und

XIII. Jahrhundert war die Blütezeit des Grubenschmelzes am Niederrhein

und in Limoges. (Beim Grubenschmelz wurden die zur Aufnahme der

Emailfarben bestimmten Stellen aus dem Kupfer- oder Bronzegrund

ausgestochen, in diese Gruben wurden die Glasflüsse eingeschmolzen,

die trennenden Flächen und Stege blieben stehen und wurden zumeist

vergoldet.) Limoger Grubenschmelz sind zwei Schüsseln in Vitrine VII,

rheinischen Ursprungs die übrigen Kleinodien derselben Vitrine: das

Reliquienkästchen, die emaillierten Kupferplatten mit den Kruzifixen,

Leuchter, Hostienbüchse und die gotische Chormantelschließe. In der

Tischvitrine VIII Fragmente von Reliquienschreinen u. a. aus dem XII.

Jahrhundert, Emailplättchen in Grubenschmelz.

Vitrine IX. Tiefschnittschmelz und Maleremail. Im späteren Mittelalter

wurde in Italien, besonders in Siena, der Tiefschnittschmelz geübt,

dessen durchsichtige Glasflüsse auf einem reliefartig eingeschnittenen

Silbergrund ohne Trennungsstege liegen; dieses transluzide Email, das

ähnliche Farbenwirkungen erzeugt wie die alte Glasmalerei, ist in

einem schönen sienesischen Kreuz des XV. Jahrhunderts vertreten. -- In

Limoges entwickelte sich am Ende des XV. Jahrhunderts eine neue Art des

Emaillierens, das „Maleremail“; hier wurden die Farben, beziehungsweise

die Bilder auf die mit einem Schmelzgrund überzogene Kupferplatte

aufgetragen, ohne trennende Stege oder Gruben; bis zum Ende des XVI.

Jahrhunderts ist das Maleremail in Limoges von einer Reihe großer

Meister und Meisterfamilien gepflegt worden. Die Emailbilder in dieser

Vitrine gehören alle Limousiner Werkstätten an. --

Vitrine X. Venezianer Email. Den Arbeiten von Limoges technisch

verwandt ist das „Venezianer Email“, wie die auf Kupfer emaillierten

Schalen, Kannen, Leuchter und dergleichen Geräte mit ihren

dunkelblauen, dunkelgrünen und weißen Farben bezeichnet werden; es

ist um 1500 gepflegt worden. Zwei Schalen, ein Krug und ein kleines

Räuchergefäß vertreten hier diese Art, desgleichen ein Ostensorium in

Vitrine IX.

Tischvitrine XI. Malerschmelzarbeiten. Täfelchen mit den Taten des

Herakles; ovale Platte mit Madonnenbild; Limousiner Plättchen mit

Heiligenbildern.

Vitrine XII und Tischvitrine XIII. Das in der Bijouterie verwendete

„Goldschmiedeemail“ ist in den herrlichen Stücken deutschen

Renaissanceschmuckes vertreten, die samt dem mit Schmuckstücken

reichbesetzten Kelch aus der Kirche des ehemaligen Damenstiftes zu Hall

in Tirol stammen. Es sind süddeutsche Arbeiten aus dem XVI. und XVII.

Jahrhundert. Die Schmuckstücke waren auf zwei barocke Perlenkronen

montiert, die im Wandschrank XVII aufbewahrt sind.

[Illustration: Kruzifix, Silber mit transluzidem Email. Italienisch,

XV. Jahrhundert]

Vitrine XIV. Drei emaillierte Anhänger, süddeutsche Renaissancearbeiten.

Gotische Silberplättchen mit Heiligenbildern in Niello. (Bei dieser

Technik wird in die vertieften Stellen des Metallgrundes eine

schwarze Metallmischung mit Schwefel eingeschmolzen.) Ein Achatkreuz

mit Nielloplättchen und Kristallkugeln, XV. Jahrhundert. Zwei

Nielloplättchen für Dolchscheiden, süddeutsche Renaissancearbeit. Zwei

gravierte Silberscheiben, die eine mit der Schilderung der Versuchungen

Christi durch den Teufel, von einem niederländischen Stecher des XVI.

Jahrhunderts; die andere ein signiertes Werk des Michael le Blon (um

1600) schildert Abigail vor David.

Wandschrank XV. Prunkschüssel aus vergoldetem Messing, eingraviert in

ein reiches Ornament das Gleichnis vom verlorenen Sohn, deutsch, XVI.

Jahrhundert. Prunkschüssel, Messing, mit silbertauschierten Ornamenten

und Wappen, signiert auf der Rückseite: Greco da Nicol. Rugina Corfu

fecce 1550. Standuhren, bezw. Tischuhren aus dem XVI. und XVII.

Jahrhundert. Die große Uhr in der Mitte oben eine Leihgabe des Stiftes

Göttweih.

Wandschrank XVI. Oben: Die Perlenkronen aus der Kirche des ehemaligen

Damenstiftes zu Hall, charakteristisch für den mit Material prunkenden

Barockschmuck; auf dem Eisengerüst der Kronen die Inschriften: „Donum

Regij Parthenonis Antistita Maria à Spaur Comitissa Aᵒ 1657. --

Munificentissime Renovatum Antistita Eleonora Felicitate Comitissa

de Arco Aᵒ 1767“. Auf diesen Eisenbügeln waren die Schmuckstücke in

Vitrine XII und XIII angebracht. Hausaltärchen aus Ebenholz mit reichem

Silberbeschlag und einem Bild aus dem Rudolfinischen Kunstkreis,

Augsburger Arbeit, XVII. Jahrhundert.

Unten: Bucheinbände mit Metallverzierung und Buchdeckel aus Metall:

Horae Deipari Virg. Mariae, Paris, T. Kerver 1519, gebunden in Samt

mit Beschlägen aus durchbrochenem Silber, auf jeder Seite ein Wappen

in Niello. Breviarium Romanum, Antwerpen, Plantin 1592, Samteinband

mit Silberbeschlägen. Missale Romanum, gedruckt in derselben Offizin,

1587, Samteinband mit Silberbeschlag und Eckstücken nach Peter Flötner.

Buchdeckel aus schwerem Silber mit getriebenen Ornamenten, XVII.

Jahrhundert. Notizbuch in silbernem Einband mit Soldatenemblemen,

XVII. Jahrhundert. Notizbuch, Einband aus durchbrochenem Silber.

Notizbuch mit emailliertem Einband und vergoldetem Beschlag,

Empire. Galvanoplastische Nachbildung zweier Arbeiten des deutschen

Goldschmiedes Anton Eisenhoit (ca. 1600), die silbernen getriebenen

Einbanddecken zu einem Missale und einem Pontifcale Romanum.

Vitrine XVII. Mailänder Prunkschild und -helm, am Schild der Raub der

Helena, am Helm die Eroberung Trojas dargestellt; Eisen getrieben und

goldtauschiert, XVI. Jahrhundert. Kassette, Eisen goldtauschiert.

Goldtauschierter eiserner Ständer für spitzenklöppelähnliche Objekte,

ca. 1700. Rahmen aus Eisen geschnitten, ca. 1600. Hirschjagd, Eisen

geschnitten und tauschiert, XVII. Jahrhundert. Schmuckkassette, Eisen

geätzt und vergoldet, Anfang des XVIII. Jahrhunderts. Feinwage aus

Messing, reiche Arbeit aus der ersten Hälfte des XVIII. Jahrhunderts.

Schloßplatte, Messing, aus der Mitte des XVIII. Jahrhunderts.

Gewehrschloß aus der zweiten Hälfte des XVIII. Jahrhunderts. Degengriff

mit Initial Kaiser Franz I., Silber vergoldet, Anfang des XIX.

Jahrhunderts. Griff eines Prunkdegens, Eisen geschnitten und tauschiert.

Wandpulte XVIII. und XIX. Bestecksammlung. Zwei kleine antike

Bronzelöffel. Silberlöffel, Wien, XVII. Jahrhundert. Silberlöffel aus

dem XVII. und XVIII. Jahrhundert. Holländische Löffel aus dem XVII.

Jahrhundert. Sogenannte Apostellöffel, XVII. Jahrhundert. Besteck mit

Elfenbeingriffen, XVII. Jahrhundert. Schwarzemailliertes Eßbesteck, um

1700.

Tischvitrine XX. Süddeutsche Emailarbeiten. Goldmedaillon mit Blumen

auf weißem Grund, Augsburger Arbeit, XVII. Jahrhundert. Zwei Täfelchen

mit Heiligenbildern und Blumen, Augsburg, XVII. Jahrhundert. Augsburger

Emailplättchen mit Tobias und dem Engel, XVII. Jahrhundert. Sechs

Plättchen mit Passionsszenen, Augsburg, XVII. Jahrhundert. Kleine runde

Platten mit Kinderszenen. Diadem, Armband und Ohrgehänge, Siebenbürgen,

XVII. Jahrhundert.

Wandvitrinen XXI und XXII. Siebenbürgischer Volksschmuck.

Vitrinen XXIII und XXIV. Dosen. Zumeist Arbeiten aus dem XVIII.

und Anfang des XIX. Jahrhunderts. Zwei Dosen mit Miniaturen von

Blarenberghe, Geschenke des regierenden Fürsten Johann von und zu

Liechtenstein, Dose in Gold und Email von Ouville, Miniatur von

Degault (1793). Dosen in Goldemail, Kupferemail, Schildkrot; Dosen mit

Piquéarbeit; holländische Silberdosen; Porzellandosen.

Vitrine XXV. Emailarbeiten aus dem XVIII. und Anfang des XIX.

Jahrhunderts. Silberne Spülkumme mit Emailmalerei auf weißem Grund,

Anfang des XVIII. Jahrhunderts. Leuchter mit Emailmalerei auf weißem

Grund, Mitte des XVIII. Jahrhunderts. Wiener Uhr, emailliert, Anfang

des XVIII. Jahrhunderts. Wiener Emailarbeiten: Zwei kobaltblaue

Blumentöpfe, signiert J. Jünger 1776. Lichtblaue Deckelschale mit

Blumendekor, Ende des XVIII. Jahrhunderts. Kobaltblaue Deckelschale

mit Tasse, signiert: Christoph Jünger.

Tischvitrine XXVI. Schmuck aus dem Ende des XVIII. Jahrhunderts.

Im Barock stand der Durchschnitt der Schmuckarbeiten nicht auf der

Höhe wie in den vorangegangenen Perioden; man verstand es, mehr

mit dem Material als mit edler Arbeit zu prunken. Im Zeitalter des

Klassizismus wurde beim Schmuck auf zarte Formen und Technik wieder

großer Wert gelegt; in seinen reizvollen Schöpfungen waren als Motive

die Symbole sentimentaler Freundschaft und Liebe ebenso Mode wie

antike Stilelemente: Goldkette mit vier zierlichen Wachsmedaillons.

Scheibenförmiger goldener Anhänger mit einem Filigranrahmen und

einer von Glas umschlossenen perlenbesetzten Blumenvase. Hals- und

Haarschmuck mit Gemmen von Bernstein. Uhren mit Maleremail, die man als

Schmuck am Kleid oder Gürtel trug.

Tischvitrine XXVII. Schmuck aus der ersten Hälfte des XIX.

Jahrhunderts. Die große Not, die die Napoleonischen Kriege über

Deutschland und Österreich gebracht haben, hatte den Schmuck aus

edlen Metallen als meist unerreichbare Kostbarkeit verdrängt; ersetzt

wurde er durch den Eisenschmuck, der in dem staatlichen Gußwerk von

Mariazell, dem Gußwerk des Grafen Wrbna, dem Glanz’schen Gußwerk und

andern in Massen hergestellt worden ist: Schmuckkassette. Kette,

Anhänger und Ohrgehänge mit Medaillons. Anhänger in Kreuzform. Erst in

den ruhigen Biedermeierzeiten nimmt Gold- und Silberschmuck wieder den

alten Platz ein: Halskette und Ohrgehänge, Gold mit Chrysoprasen, ca.

1830; Brosche, ca. 1850.

[Illustration: Pokal, Vietraubenbecher, Silber, vergoldet, XVI.

Jahrhundert, Anfang, Lüneburger Marke]

Die Vitrinen XXVIII bis XXXVI vereinigen Ziergerät des ostasiatischen

Kunstkreises, hauptsächlich Emailarbeiten. Die ältere chinesische

Emaillierkunst ist der Zellenschmelz mit undurchsichtigen Glasflüssen;

im XVIII. Jahrhundert ist die Emailmalerei auf weißem Grund, die der

Porzellanmalerei sehr ähnelt, eingeführt worden. Die Japaner haben mit

größter Virtuosität den Zellschmelz gepflegt und sind darin noch heute

die besten Meister; überraschende Neuerungen wie Zellenschmelz auf

Porzellan zeigen ihr bravouröses technisches Können.

Alle Arten der Metallschmuckkunst zeigen die Vasen und Schwertzieraten,

die in Vitrine XXVIII bis XXXIV ausgestellt sind.

Führer durch das k. k. österreichische Museum für Kunst und Industrie · 第 14 / 89 题