Der vorliegende Text wurde anhand der Buchausgabe von 1882 so weit
wie möglich originalgetreu wiedergegeben. Typographische Fehler
wurden stillschweigend korrigiert. Ungewöhnliche und heute nicht mehr
verwendete Schreibweisen bleiben gegenüber dem Original unverändert;
fremdsprachliche Ausdrücke wurden nicht korrigiert.
Anführungszeichen innerhalb wörtlicher Rede werden im Original
uneinheitlich gehandhabt. Teils werden doppelte, teils sogar
vierfache Anführungszeichen verwendet. In der vorliegenden Ausgabe
wurden diese vereinheitlicht und werden nun, ähnlich den heutigen
Rechtschreibregeln, als einfache Anführungszeichen dargestellt.
Umlaute in Großbuchstaben (Ä, Ö, Ü) werden durch deren Umschreibungen
(Ae, Oe, Ue) wiedergegeben.
Der Übersichtlichkeit halber wurde das Inhaltsverzeichnis vom
Bearbeiter an den Anfang des Texts verschoben.
Das Original wurde in Frakturschrift gesetzt; besondere
Schriftschnitte werden im vorliegenden Text mit Hilfe der folgenden
Sonderzeichen gekennzeichnet:
fett: =Gleichheitszeichen=
gesperrt: +Pluszeichen+
Antiqua: ~Tilden~
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Lebensbilder.
[Illustration]
Novellensammlung.
von
Ida Barber.
[Illustration]
Wien 1882.
Verlag von E. Czaki.
IX., Maximilianplatz 3.
Widmung.
Als vor kaum einem Jahre edle, für das Allgemeinwohl thätige Männer und
Frauen daran gingen, in Wien die erste Wärmestube zu eröffnen, da ahnte
der größte Theil des Publicums noch nicht, wie sehr vielen Tausenden
diese That reiner Menschenliebe in Stunden der Noth zu Gute kommen
sollte. Wir sahen sie seitdem schaarenweise, zitternd und frierend,
entkräftet und arbeitsunfähig die Locale aufsuchen, in denen sie die
erstarrten Glieder beleben, sich an einem warmen Getränk laben konnten.
-- Hunger und Kälte sind gar schlimme Bundesgenossen, die manchen sonst
thätigen, rechtlich denkenden Mann, dem das Dasein ehedem lieb war, zu
dem verzweifelten Entschluß brachten, diesem Leben ein Ende zu machen.
Wer kann sich, wenn ihm nicht Gelegenheit wird, das Elend der unteren,
arbeitslosen Volksmassen kennen zu lernen, einen Begriff von jenen
Zuständen machen, die leider Gottes allda existiren?
Die Noth trifft Diejenigen am schlimmsten, die gerne arbeiten wollen
und kaum Erwerb finden. Betteln können sie nicht gehen, frieren und
hungern mögen sie auch nicht. Wohin sollen sie in der Verzweiflung ihre
Schritte lenken?
Siehe, da öffnet sich ihnen, den Armen, die sich schon von Gott und
aller Welt verlassen wähnen, gastlich eine Pforte; sie treten ein,
belebende Wärme dringt ihnen entgegen, gütige, wohlwollende Menschen
heißen sie willkommen, laben und stärken sie, geben ihnen Vertrauen und
Hoffnungsfreudigkeit wieder.
Diese Idee, sich der Armen, der Hungernden und Frierenden anzunehmen,
ihnen ein Heim zu gründen, in dem sie, wenn auch nur zeitweise, ihr
Elend vergessen, ist der Unterstützung aller Gutgesinnten werth.
Ich sehe es als heilige Pflicht an, diese Idee zu fördern, in ihrem
Dienste thätig zu sein.
Ist es sonst eine in der Schriftstellerwelt ziemlich allgemein gültige
Sitte, ein Werk einer hochstehenden Persönlichkeit zu widmen, so widme
ich vorliegendes Schriftchen einer humanitären Idee, die mir das,
was die Bestgesinnten unserer Zeit erstreben, theilweise in sich zu
verkörpern scheint.
Der Reinertrag dieses Bändchens ist zum Besten der Wärmestuben bestimmt.
Die Erzählungen sind zumeist dem wirklichen Leben entnommen; möchten
sie Denen, die mit der Noth dieses Lebens zu kämpfen haben, zum Segen
gereichen.
+Wien+, im December 1881.
=Ida Barber.=
Inhalt.