Anmerkung 1 zu Seite 70:
Über die _makedonische Verfassung_ ist wenig bekannt. Außer den im Text
angeführten Einzelheiten sind noch folgende Punkte bemerkenswert.
Wenn sich das makedonische Königshaus dorischen Ursprungs rühmt, so findet
sich doch von dorischen Phylen im Volk und Adel des Landes keine Spur.
Dagegen tritt die Teilung nach Landschaften merklich hervor. Das
makedonische Königshaus ist, wie sich aus den S. 69 angeführten Worten des
Aristoteles ergibt, nicht beschränkt wie in Sparta und Epeiros; es regiert
+basilikôs, ou tyrannikôs+, Isokr. Phil. 175, wie denn Kallisthenes (bei
Arr. IV, 11, 6) von den Königen sagt: +ou bia, alla nomô Makedonôn nôn
archontes dietelesan+. Noch Polybios führt ein Beispiel an, wie frei sich
die Makedonen ihren Königen gegenüber verhielten, und fügt hinzu (V. 27,
6): +eichon gar aei tên toiautên isêgorian Makedones pros tous basileis+.
Die Könige nahmen in die Zahl der Hetären auch Fremde auf (Arr. I, 15, 6)
und Theopomp. Fr. 249 sagt von König Philipp II: +hoi hetairoi autou ek
pollôn topôn synerrhyêkotes -- hoi men gar ex autês tês chôras, hoi de ek
Thettalias, hoi de ek tês allês Hellados, ouk aristindon exeilegmenoi+.
Nach demselben besaßen die 800 Hetären Philipps so viel Land wie 10 000
Hellenen; also Makedonien hatte noch große Güter in Menge, die es in der
hellenischen Welt, wenigstens der innerhalb der Thermopylen, nicht mehr
gab.
Anmerkung 2 zu Seite 81:
_Olympias_ ist die Tochter des Neoptolemos, der schon in der Urkunde des
attischen Seebundes von 377 mit seinem Vater Alketas genannt wird. Nach
Alketas' Tod teilte Neoptolemos mit seinem Bruder Arybbas nach kurzer
gemeinsamer Regierung das Königtum der Molosser, und als Neoptolemos starb,
übernahm Arybbas die Vormundschaft für dessen Kinder Olympias und
Alexandros. Olympias wurde 357 Philipps Gemahlin, bald war auch Alexandros
am Hofe zu Pella. Schon 352 fand Philipp Anlaß zum Kriege gegen Arybbas;
dann als Alexandros zwanzig Jahre alt war, veranlaßte er ihn, die Waffen
gegen ihn zu erheben, während Arybbas nach Athen geflüchtet den Befehl an
die attischen Strategen erwirkte, ihn und seine Kinder wieder in den Besitz
der Herrschaft zu setzen. Damals eroberte Philipp auch die Städte in der
Kassopia am ambrakischen Meerbusen und übergab sie dem Alexandros. Arybbas
scheint bald gestorben zu sein; von seinen Söhnen Alketas und Aiakides ist
die nächsten fünfzehn Jahre nicht die Rede. -- Nach den »Gesch. des Hell.«
II{2}, 2, S. 354 gegebenen Nachweisen ist Alexander Olympias' Sohn 356 nach
dem 24. September und vor Mitte Dezember geboren. Daß Philipp mit der
Nachricht von dieser Geburt zugleich die von drei Siegen, dem in den
Olympien, dem über die Dardaner und dem über Poteidaia, das sich ergeben
mußte, erhalten, ist wenigstens in betreff des ersten sicher aus dem
Stegreif erfunden, da die Olympien um den ersten Vollmond nach der
Sommersonnenwende, also spätestens Ende Juli gefeiert wurden. -- Für die
ehelichen Verhältnisse Philipps ist die einzig eingehende Angabe die des
Satyros bei Athen. XII, 557; wenigstens ergibt sich aus dessen Worten, daß
Olympias für seine rechte und eigentliche Gemahlin galt; von den anderen
nennt Satyros vor ihr die Illyrierin Audata, die (Elymiotin) Phila, die
beiden Thessalerinnen Nikasipolis und Philinna; er nennt nach ihr die
»Thrakerin« Meda und des Artalos Nichte Kleopatra, beide mit der
Bezeichnung +epeisêgage tê Olympiadi+. Philinna, des Arrhidaios Mutter,
galt nicht als rechtmäßige Gemahlin, auch wohl Nikasipolis nicht. Möglich,
daß die beiden anderen vor 356 gestorben waren.
Anmerkung 3 zu Seite 101:
Das _Fürstentum der Paionen_ in dieser Zeit ist nicht völlig sicher.
Bezeugt ist der Bestand desselben in den ersten Jahren des König
Philipps II. durch #Diod.# XVI, 22 und #C. I. A.# II, 66, Urkunde des
Bündnisses der Athener mit Ketriporis dem Thraker und seinen Brüdern,
Grabos dem Illyrier und Lykkeios dem Päonen (Lykpeios heißt er auf seinen
Münzen, obschon auch solche mit +LYKKEIOU+ vorzukommen scheinen); von
diesen drei Fürsten sagt Diodor, daß Philipp sie besiegt habe +kai ênankase
prosthesthai tois Makedosi+. Ob das Fürstentum im päonischen Lande damit
aufhörte oder weiter bestand, läßt sich nach den bis jetzt bekannten
Materialien nicht entscheiden. Dann wird 310 wieder ein König der Päonen
erwähnt (Diod. XX, 19), Audoleon, der Sohn des Patraos; von Audoleon gibt
es Tetradrachmen mit +Audoleontos basileôs+ ganz mit dem Gepräge der von
Alexander und nach dessen Münzfuß; andere Münzen von ihm (ohne +basileôs+)
sowie von seinem Vater folgen nicht dem makedonischen Münzfuß, ein sicherer
Beweis für ihr loses Verhältnis zum Reich. Daß Audoleons Sohn, dem
Lysimachos um 282 sein Fürstentum entriß, Ariston hieß wie der Führer der
päonischen Reiter in Alexanders Heer, legt die Vermutung nahe, daß dieser
zum Fürstenhause gehörte, das Fürstentum also wohl auch in Alexanders Zeit
bestand (Arr. I, 5, 1). Doch hat H. Droysen darauf aufmerksam gemacht, daß
auf den schönen Didrachmen des Patraos der von dem päonischen Reiter
niedergestoßene Feind durch seinen Hut und Schild als Makedone bezeichnet
ist.