BERLIN, 1840.

Auf Kosten und im Selbstverlage des Verfassers.

Burg-Straße No. 17.

Aufgeschnittene und beschmutzte Exemplare werden nicht zurückgenommen.

~Vorrede.~

Vorreden werden gewöhnlich geschrieben, um böse Nachreden von Seiten

der Leser zu verhüten. Indeß wird dieser Zweck hierdurch selten,

oder auch nie erreicht; und wozu auch? Werden ja doch des allgütigen

Schöpfers Werke auf das allerheftigste getadelt, wie soll also ein

menschliches Werk dem Tadel entgehen. Der Verfasser unterfängt sich

nicht, dem Publikum etwas Untadelhaftes bieten zu wollen, deshalb

wollte er auch alles Vorreden unterlassen, da er ohnedies im Buche

selbst hinreichend auf Zweck und Endziel desselben aufmerksam gemacht

hat. Nicht also um Kritiker sanfter zu stimmen, sondern zur vorläufigen

Orientirung der Leser, und um sich gegen Mißdeutungen zu schützen,

erlaubt er sich einige Bemerkungen.

Die erste ist die, daß er hier nichts mittheilt, als was er selbst

erfahren, oder was er durch einiges Nachdenken gefunden hat; das

Büchermachen aus andern Büchern, wie es auch bei Reisebeschreibungen

gebräuchlich ist, will er Andern überlassen. Als Kaufmann hat er

vorzugsweise für praktische Kaufleute geschrieben, hofft jedoch,

daß Manches in seinem Buche auch von Andern nicht uninteressant

dürfte gefunden werden. Systematische Ordnung hielt er in solchen

Mittheilungen für überflüssig, er hat die Beobachtungen und

Betrachtungen, wie sie sich ihm theils auf der Reise, theils von selbst

darboten, dem Leser vorgelegt; wenn er daher im Verlauf der Erzählung

auf einen Gegenstand zurückkommt, so geschieht es nur dann, wenn die

frühere Bekanntschaft mit dem Gegenstande durch die spätere bedeutend

vermehrt und wirklich ergänzt wird.

Die zweite Bemerkung betrifft die Betrügerei der Commissionaire, mit

deren Enthüllung ein ziemlicher Theil dieses Buches sich beschäftigt.

Möchte es dem Verfasser gelungen sein, einen tüchtigen Stich in

dieses Wespennest zu thun, denn eine böse Gattung von Wespen sind die

von demselben bezeichneten, die schon manchen Bienenstock um ihren

Honig gebracht haben. Daß der Verfasser nicht +alle+ Commissionaire

zu jenem Wespengeschlecht zählt, wird wohl jedem Vernünftigen von

selbst einleuchten. Auch die Johann und Cosmus von Medici, so wie die

Fuggers in Augsburg, waren einst Commissionaire, aber zugleich was

für treffliche, hochgesinnte Männer! Auch die Rothschild’s sind durch

den höchsten Grad der Rechtlichkeit zu der hohen Stellung gelangt,

die sie jetzt einnehmen. Daß der Verfasser ähnliche Commissionaire,

wenn sie auch nicht so angesehen und reich sind, nicht in seinen Tadel

einschließt, versteht sich von selbst. Daß er aber die Mysterien jenes

Wespengeschlechts schonungslos zur Publicität bringt, so jedoch, daß er

alles Gesagte mit schriftlichen Documenten belegen kann, dafür wird der

Verfasser wohl keinerlei Entschuldigung bedürfen, er glaubt vielmehr,

auf den Dank einsichtiger Geschäftsleute rechnen zu dürfen, und dies um

so mehr, da er hauptsächlich, um diesen zu nützen, seine Erfahrungen

mittheilte.

Selten erscheinen praktische Kaufleute in der Reihe der Autoren, denn

haben sie gute Geschäfte gemacht, so haben sie Gründe, dies nicht der

Welt bekannt zu machen, im umgekehrten Falle schämen oder scheuen sie

sich wohl gar. Der Verfasser hat sich von jenen zwei Ursachen der

Verheimlichung nie beherrschen lassen, und da er als Kaufmann nicht

länger zu praktiziren gesonnen ist, weil kaufmännische Geschäfte jetzt

nichts Erfreuendes darbieten, so wünscht er, daß die zum Nutzen für

angehende Kaufleute gestreute Saat gesegnet aufgehen möge.

_Julius Ries._

~Inhalts-Verzeichniß.~

Schilderungen des Treibens im Leben und Handel in den Vereinigten Staaten und Havana. Gezeichnet auf Reisen in den Jahren 1838 und 1839 · 第 11 / 24 题