Auf Kosten und im Selbstverlage des Verfassers.
Burg-Straße No. 17.
Aufgeschnittene und beschmutzte Exemplare werden nicht zurückgenommen.
~Vorrede.~
Vorreden werden gewöhnlich geschrieben, um böse Nachreden von Seiten
der Leser zu verhüten. Indeß wird dieser Zweck hierdurch selten,
oder auch nie erreicht; und wozu auch? Werden ja doch des allgütigen
Schöpfers Werke auf das allerheftigste getadelt, wie soll also ein
menschliches Werk dem Tadel entgehen. Der Verfasser unterfängt sich
nicht, dem Publikum etwas Untadelhaftes bieten zu wollen, deshalb
wollte er auch alles Vorreden unterlassen, da er ohnedies im Buche
selbst hinreichend auf Zweck und Endziel desselben aufmerksam gemacht
hat. Nicht also um Kritiker sanfter zu stimmen, sondern zur vorläufigen
Orientirung der Leser, und um sich gegen Mißdeutungen zu schützen,
erlaubt er sich einige Bemerkungen.
Die erste ist die, daß er hier nichts mittheilt, als was er selbst
erfahren, oder was er durch einiges Nachdenken gefunden hat; das
Büchermachen aus andern Büchern, wie es auch bei Reisebeschreibungen
gebräuchlich ist, will er Andern überlassen. Als Kaufmann hat er
vorzugsweise für praktische Kaufleute geschrieben, hofft jedoch,
daß Manches in seinem Buche auch von Andern nicht uninteressant
dürfte gefunden werden. Systematische Ordnung hielt er in solchen
Mittheilungen für überflüssig, er hat die Beobachtungen und
Betrachtungen, wie sie sich ihm theils auf der Reise, theils von selbst
darboten, dem Leser vorgelegt; wenn er daher im Verlauf der Erzählung
auf einen Gegenstand zurückkommt, so geschieht es nur dann, wenn die
frühere Bekanntschaft mit dem Gegenstande durch die spätere bedeutend
vermehrt und wirklich ergänzt wird.
Die zweite Bemerkung betrifft die Betrügerei der Commissionaire, mit
deren Enthüllung ein ziemlicher Theil dieses Buches sich beschäftigt.
Möchte es dem Verfasser gelungen sein, einen tüchtigen Stich in
dieses Wespennest zu thun, denn eine böse Gattung von Wespen sind die
von demselben bezeichneten, die schon manchen Bienenstock um ihren
Honig gebracht haben. Daß der Verfasser nicht +alle+ Commissionaire
zu jenem Wespengeschlecht zählt, wird wohl jedem Vernünftigen von
selbst einleuchten. Auch die Johann und Cosmus von Medici, so wie die
Fuggers in Augsburg, waren einst Commissionaire, aber zugleich was
für treffliche, hochgesinnte Männer! Auch die Rothschild’s sind durch
den höchsten Grad der Rechtlichkeit zu der hohen Stellung gelangt,
die sie jetzt einnehmen. Daß der Verfasser ähnliche Commissionaire,
wenn sie auch nicht so angesehen und reich sind, nicht in seinen Tadel
einschließt, versteht sich von selbst. Daß er aber die Mysterien jenes
Wespengeschlechts schonungslos zur Publicität bringt, so jedoch, daß er
alles Gesagte mit schriftlichen Documenten belegen kann, dafür wird der
Verfasser wohl keinerlei Entschuldigung bedürfen, er glaubt vielmehr,
auf den Dank einsichtiger Geschäftsleute rechnen zu dürfen, und dies um
so mehr, da er hauptsächlich, um diesen zu nützen, seine Erfahrungen
mittheilte.
Selten erscheinen praktische Kaufleute in der Reihe der Autoren, denn
haben sie gute Geschäfte gemacht, so haben sie Gründe, dies nicht der
Welt bekannt zu machen, im umgekehrten Falle schämen oder scheuen sie
sich wohl gar. Der Verfasser hat sich von jenen zwei Ursachen der
Verheimlichung nie beherrschen lassen, und da er als Kaufmann nicht
länger zu praktiziren gesonnen ist, weil kaufmännische Geschäfte jetzt
nichts Erfreuendes darbieten, so wünscht er, daß die zum Nutzen für
angehende Kaufleute gestreute Saat gesegnet aufgehen möge.
_Julius Ries._
~Inhalts-Verzeichniß.~