Mit dieser sorgfältigsten Pünktlichkeit behandelte er die
Geschäftsdetails selbst noch zu einer Zeit, wo ganz andere
Angelegenheiten seine Thätigkeit in Anspruch nahmen -- nämlich der
bekannte Atheismus-Streit, den er im folgenden Briefe mit prächtigem
Humor bespricht.
30.
Jena d. 9. Xbr., 98.
In diesem Augenblike nur das höchstnöthige. Ich werde sehen, ob ich zu
diesem Briefe zurük kommen kann.
... ... ...
2.). =Meine= Einnahmen, die ich der Compagnie bestimme, sind ziemlich
unsicher. Sie hängen davon ab, ob ich künftigen Sommer ein oder mehrere
Bücher schreibe; ob ich durch Reisen viel verthue, und dergl.: Doch
-- ein halbes oder ganzes Hundert kann ich im Fall der Noth immer
herbeischaffen.
... ...
Darnach nimm nur Deine Maasregeln. Denn in diesen Detail hineinzugehen,
vermag ich nicht, weil ich dies nicht genug verstehe.
3.). Wegen des =Standes= einer Bude, (keine Bude selbst, diese müßte
besonders angeschaft werden) ist mir etwas über die Topographie von
Leipzig entfallen, darüber ich aber warscheinlich allhier selbst
Auskunft erhalten kann.
d. 5. Jänner. 99.
So lange ist dieser Brief liegen geblieben, weil mir unsre guten
Landsleute, die Chursächsischen, Beschäftigung vollauf gegeben. Ich habe
seitdem über den Plaz der Bude mich erkundiget. Er ist gelegen.
Von Hrr. Streiber habe ich beiliegende Westphälinger (Elberfeldische)
Leinenband Proben, und Preistabelle erhalten; die ich Dir zur Einsicht
und Berechnung, ob wir Preis halten können, mittheilen soll. Die
Preistabelle lautet zu deutsch: _N. 12_ (bezieht sich auf die
beiliegende Mustercharte) das Duzend Stükel von 19. Pariser Ellen 5.
_Livres_ (Ein Livre ist 6 Gr. sächs. wenn der Laubthaler 1 Thlr.
12 Gr. sächs. steht,) daß also von der geringsten Sorte 19 Ellen 60 Pf.
kämen. Die zweite Ziffer z. B. _N. 14_. -- 5 _Livres_, 10 -- bedeutet
_sous_, und der _Livre_ hat 20 _sous_. und nun kannst Du selbst
berechnen. Ich sehe klar ein, daß =unsre= Bänder viel wohlfeiler sind.
Nur arbeiten wir blos =glatte=, und wie diese =modellirten= gemacht
sind, sehe ich gar nicht ein, und glaube, daß wir sie nicht machen
können. Jedoch dürfte mir es etwa auch da gehen, wie mit den Herrnhuter
Bändern, wo ich meinen Bandverstand garstig blamirt habe.
Zum Hauskauf wollte ich jetzo, ob mir gleich der Gedanke mit dem Beigute
nicht mißfällt, nicht rathen; wenn Du nicht etwa sonst woher ein starkes
Capital auftreiben kannst. Es wird immer möglicher, daß sich mein
Aufenthaltsort verändert, und daß ich dann selbst Geld bedürfte.
Meinen Vorschlag eines Tauschhandels hat Streiber mit Freuden
aufgenommen, aber noch nicht =seine= Mustercharte eingeschikt.
Proben eines Handelsbuches, einen Contract, und dergl. soviel mir auch
natürl. selbst daran liegt, kann ich gegenwärtig nicht einschiken. Ich
habe wohl andere Dinge zu denken. Dies muß warten auf ruhigere Zeiten.
Sollte nicht auch in der Lausitz der Ruf erschollen seyn, daß die
Chursächs. Regierung mich für einen Atheisten erklärt habe, und daß ich
wenigstens zu Asche verbrannt, und dann des Landes verwiesen werden
würde? Ich sage das nur deswegen, damit, wenn bei Euch das Gerücht
erschallt, ihr, und besonders unsere guten Eltern nicht erschreken. Es
wird so schlimm nicht werden. In vier Tagen oder 8. erhaltet ihr eine
vorläufige Vertheidigungsschrift an das Publicum. Nun hat zwar der
Churfürst, nicht zufrieden, mich in =seinem= Lande verschrieen, und
meine Schriften confiscirt zu haben, mich auch noch bei =meinem= Herzoge
verklagt, und ich muß nun auch da mich vertheidigen. Aber ich denke,
es soll mir auch hier nicht schwerer fallen, als dort. -- Dies zur
Nachricht, wenn man bei Euch schon etwas weiß. Weiß man aber nichts, so
seyd ihr nicht die ersten, die es ausbreiten; denn Geräusch, und Lärm
ist nie gut.
Lebe recht wohl.