M. _Der Essigstein_.

Ein Stein, der in Essig gelegt, sich fortwährend bewegt. Im Oriente hat

man ihn häufig, in Europa sieht man ihn sehr selten (mir ist er nur einmal

vorgekommen). Wir kennen das Material nicht, aus dem er geschnitten wird,

ob es Korallenmasse seyn mag, bleibt zweifelhaft. Andreas Baccius (gest.

1600) und Marsilius Ficinus (geb. 1433) kannten den Essigstein sehr wohl,

sahen ihn zu Rom und Florenz, wohin er aus Indien gekommen war, rechneten

ihn auch zu Dracontia.

_geje_ im Persischen;--_geje, hadscharel kall_ im Arabischen.

N. _Bezoar, Drachenstein, Schlangenstein_.

Es sind diess theils Steine aus Antilopen und andern nicht näher bekannten

Thieren, theils wirkliche Steine (oft Kalksteine), die vorzüglich geschätzt

werden, theils aus Knochen gemachte Steine. Durch den ganzen Orient sind

diese Drachensteine sehr verbreitet, hoch geschätzt, werden theuer bezahlt,

da sie sehr berühmt sind als Heilmittel bey dem Bisse wilder Thiere und

anderen Verletzungen. So waren sie auch bey den keltischen Völkern

geschätzt und ein wichtiges Attribut der Druiden.

_serpamani_, auch _garamand_ (d.i. Giftstein) im Sanscrit; auch _bezar_,

wie er in den meisten indischen Sprachen heisst.

_mantika, matika_ im Malaiischen;--_djeghthaph khar_ im Armenischen.

_badzehr_ (von bad, Stein, zahar vergiften), _pazehr, paschir_ im

Persischen, in Kerman auch _muchati, scheitan_. Nach Ben Mansur ist er

theils ein gegrabener (der nach seiner Farbe 5 Arten hat), theils ein

thierischer, der auch verschiedene Farben hat; er ist theils ein bakari

(Kuhbezoar), theils schati (Schaafbezoar), soll meist aus den Augen eines

Hirsches stammen. Nach Chardin (voyage en Perse) heissen die Drachensteine

im Persischen _icheb chirac_ (der Leuchter der Nacht); _chamohoré_

(königlicher Stein) und _chajewaeran_ (König der Juwelen).

_badzhr_ im Arabischen, auch _bzahar, pazar, mar-mohereh, hagia al haiyah,

hagiar at tis_ ist der thierische. Auch Taifaschi unterscheidet einen

thierischen und einen mineralischen, welcher in grossen Stücken vorkommt

und ein weisses Pulver giebt;--_belzaer_ im Hebräischen;--_pazeher,

bensaher, pajir_ im Türkischen.

_dracontia, draconites_ im Lateinischen.

_maen glain_ (der reine, heilige), _innen magl; glain neidr_

(Schlangenstein), _glain nadroedd_ (Nadderstein) im Wälschen;--_bezoar,

snakestone, adderstone_ im Englischen;--_bezoar, pierre de serpent_ im

Französischen;--_bezoar, pietra del serpente,--de cobra_ im

Italienischen;--_bezoar_ in den nordischen Sprachen;--_besoar_ im

Russischen;--_beslaj_ in Kärnthen.

* * * * *

#§. 2. Feldspath-Gruppe.#

Der eigentliche Feldspath wird durch Krystallform, Härte, Schwere und

chemischen Gehalt characterisirt; um ihn gruppiren sich eine Menge

verwandter Fossilien. Er ist spätig, d.h. ist nach gewissen Richtungen

spaltbar, und bildet in Verbindung mit andern Fossilien ganze Felsen, woher

der teutsche Name _Feldspath_ entstanden ist, der an sich, oder in

Uebersetzung in viele Sprachen überging, als Felspar im Englischen,

feldispata im Italienischen, feldspath im Französischen, polewoi schpat im

Russischen, szikrazo kovats im Magyarischen u.s.w. Der Feldspath hat zwar

auch eine bedeutende Härte, zerfällt aber nicht wie der Quarz in Sand,

sondern wird häufig zu Thon.

A. _Edler Feldspath, Adular, Mondstein_.

Krystallinisch, blättrig, von grauer Farbe, weniger hart als die Gemmen und

ohne Feuer. Ein ziemlich häufiges Mineral im hohen Gebirge; der

italienische Mineralog Pini machte auf diess Fossil aufmerksam, gab 1781

den Namen Adular, von Adula, wie früher der Gotthard hiess.

Häufig ist er, besonders in Indien, irisirend, zeigt unter gewissen

Richtungen einen eigenen schönen Silberschein, wird dann meist halbrund--en

cabouchon--geschliffen, dient als Schmuckstein, heisst bey den Juwelieren:

Mondstein, pierre de lune, gira sole, pietra lunare, moostone, auch

ceylonesischer Opal und Wasseropal. Der sogenannte indische Sonnenopal,

pierre de la soleil, giebt einen braungelben Lichtschein, zuweilen ähnlich

einer glühenden Kohle, ist wahrscheinlich ein cementirter geglüheter Opal.

Einen ähnlichen Lichtschein geben auch andere Fossilien, wie das

Katzenauge, besonders aber manche Arten von Fasergyps, der auch desshalb

zum Halsschmuck verarbeitet wird.

In Indien ist der Mondstein gar nicht selten, war gewiss von jeher bekannt;

wir wissen aber nicht mit Sicherheit, unter welchen Namen.

_khaspatika_ im Sanscrit wird durch Mond- oder Sonnenstein übersetzt;

_tschdropala_ (von tschandra der Mond), durch Mondstein, so auch

_tschrakanta_ und _sitasman_, die wohl hierher gehören können.

_komala, kumala_ im Malaiischen, ist ein Stein von grosser Schönheit,

rundlicher Form und dem Glanze der Sonne, dessen Natur aber ganz unbekannt

ist.

_hagiar alchamar_ im Arabischen, wird mit lapis lunae übersetzt.

Die Griechen und Römer werden den Stein gekannt haben, wir wissen aber

nicht, unter welchem Namen; astrios, ceraunia, paederos können hierher

gehört haben. Als ein Stein, der das Bild des Mondes darstellte, führen die

römischen und griechischen Schriftsteller auch an: den _[Greek: selênitê],

lapis selenites_ (von selene der Mond), _aphrose lenos, lapis lunaris_, er

kam aber aus Arabien und Aegypten; Dioscorides bemerkt: er sey dem

Specularsteine (Gyps, Marienglas) ähnlich, wesshalb man veranlasst wird,

den Stein für Fasergyps anzusprechen.

Der Name Adular ist in die meisten neuern Sprachen übergegangen.

B. _Der Labrador_.

Ein dunkler, blättriger Feldspath, der nicht in ausgebildeten Krystallen,

sondern in krystallinischen Massen vorkommt ausgezeichnet durch das

herrlichste Spiel von lebhaften blauen, grünen, gelben und rothen Farben,

das einzig dastehet, in ganz anderer Art als beym Opal. Er wird weniger zu

Ringsteinen, als zu Prunkgefässen und grösseren Kunstwerken angewendet;

diese haben das Eigenthümliche, dass, wenn sie auch zerbrechen, jedes

Stückchen noch Werth hat, zu einem Ringsteine dienen kann. Der Labrador ist

ein Product des Nordens, den man erst seit dem Jahre 1780 kennt; man

erhielt ihn zuerst und am schönsten von der Insel St. Paul an der Küste

Labrador (der nordöstlichsten des amerikanischen Festlandes) durch die

dortigen Colonien der Herrnhuter, wo er in Stücken zu 50 Pfd. und mehr

gefunden wird; später hat man diess Fossil, wenn auch weniger schön, in

mehreren Gegenden gefunden, wie am Baikalsee, in Norwegen, Grönland,

Ingermannland u.s.w. Werner stellte ihn gleich (1780) neben den Feldspath.

Griechische und römische Schriftsteller erwähnen Prunk-gefässe aus einem

Steine _[Greek: morrhinê, myrrhinê], murro, murreria, murrhina_, der--wie

alle Edelsteine, auch aus Glas nachgebildet wurde--dessen Beschreibung,

meiner Ansicht nach, ganz gut und nur allein auf den Labrador passt; als

Fundort werden die asiatischen Gebirge in Parthien uad Karamanien

angegeben, die wir noch sehr unvollkommen kennen. Möglich, dass sich hier

Labrador findet; aber es ist auch möglich, dass man ihn aus dem äussersten

Norden brachte, mit dem stets ein starker Verkehr Statt fand; man holte den

Bernstein von der preussischen Küste, man kannte den schwedischen

krystallisirten Magneteisenstein, man fuhr wahrscheinlich schon zur

alt-keltischen Zeit nach Grönland, man kann auch Labrador gekannt haben.

Murrhina wurde den Römern erst durch Pompejus (61 v. Chr.) bekannt, der sie

aus Asien mitbrachte, gehörte nach Ulpian nicht zu den Gemmen oder

Schmucksteinen, diente vorzüglich zu Prunkgefässen, die in sehr hohem

Preise standen, da Nero für ein Trinkgeschirr 300 Talente oder etwa 25,000

Thlr. bezahlte. Nur Plinius liefert, aber--wie immer--eine sehr confuse

Beschreibung. Der Hauptcharakter lag in einem ausserordentlichen

Farbenspiel von Purpur, Weiss, Feuerfarbe und Roth, die sich in einander

verlaufen; am schönsten ist auf der Aussenfläche (extremitas) der

Wiederschein der Farben (colorum repercussus), die wir im Regenbogen sehen.

Die Stücke von zerbrochenen Gefässen hatten noch hohen Werth, dienten zum

Prunk. Das murrhina hat man für Mancherley, besonders für Flussspath

angesprochen (der wohl verschiedene Farben, aber kein Farbenspiel hat),

auch für Kaschalong, für chinesischen Speckstein und Porzellan.

Der Name Labrador ist in viele Sprachen übergegangen, sonst nennt man

denselben auch _Feldspath opalin_ im Französischen; _feldspato opalino_ im

Italienischen; _opascent feldspar, labrador stone_ im Englischen.

Mineralogia Polyglotta · 第 25 / 84 题