a) Krystall im Allgemeinen.
Ein Mineral in bestimmten geometrischen Formen, abgesehen von dem Material
und dem chemischen Gehalte.
_spatika_ im Sanscrit, ferner katscha (was auch Glas heisst); agrigarbha,
agrimani (krystallisirter Edelstein), atschtschha (durchsichtiger
Krystall). Dem spatika sehr verwandt klingt das teutsche und französische
_spath_, das englische _spaad, spar_, d.h. ein Fossil mit blättriger
Textur, nach welcher es leicht theilbar ist; gleichwohl stammen diese
Worte wohl schwerlich direct aus dem Sanscrit, sondern wohl aus dem
Keltischen, hängen zusammen mit ysparth im Wälschen, der Theil, die
Separation, ysparthu (W.) theilen, separiren.
_spatika_ im Bengalischen.
_palumban_ im Malaiischen, auch _palingu, nilur, intang_.
_shela_ im Tibetanischen (was auch Glas heisst); auch _rdo-shela_ (d.i.
Steinglas); _rana-shela_, natürlicher Krystall (bazhu-shela ist ein
künstlicher Krystall aus Glas);--_wani_ im Armenischen.
_balur, hablur_ im Persischen;--_bulur_ im Bucharischen;--_bellur_ im
Kurdischen;--_beluro_, _belurcho_ im Syrischen.
_ebna barut_ im Aethiopischen (bedeutet auch Hagel);--_mahewe_ im
Abessinischen;--_elgabisch_ im Hebräischen, auch _gabisch_ (das zugleich
Eis bedeutet.
_kerustallin, keristallon_ im Chaldäischen; keristalinon ist
krystallinisch;--_kristall, krustall_ im Albanischen;--_cristallu_ im
Walachischen;--_criostall_ im Gälschen;--_crisial_ im Wälschen;--_cristal_
im Bretonischen;--_[Greek: chrystallos]_ im Griechischen;--_[Greek:
chrystalli]_ im Neugriechischen;--_crystallus_ im Lateinischen;--_kristall_
im Isländischen, Lappländischen, Schwedischen, Englischen,
Französischen;--_crystall_ im Portugiesischen, Spanischen, Dänischen,
Holländischen;--_cristallo_ im Italienischen;--_krystal_ im Polnischen,
Czechischen, Windischen und Croatischen;--_kristoa_ im Bosnischen;--_golot_
im Ragusanischen, auch im Windischen;--_kristolas_ im
Litthauischen;--_krystally_ im Magyarischen.
b. Der Bergkrystall.
Ein reiner, durchsichtiger, meist wasserheller Quarz, der, sehr häufig als
Schmuckstein dient, meist die falschen Diamanten (faux diamans) bildet,
wenn sie nicht Glas sind. Häufig erscheint er gefärbt, und trägt dann
verschiedene Namen; der violblaue heisst Amethyst, ist schon erwähnt;--der
gelbe heisst Citrin, hyacinth d'Espagne, topaze occidentale; der rauchgraue
Rauchtopas, topaze enfumé;--der fast schwarze morion;--der, welcher Amiath,
Rutil oder dergleichen umschliesst: Haarstein, Nadelstein, cheveux de
Venus, fleches d'amour. Im Alterthume brauchte man den Bergkrystall sehr
häufig, besonders zu Petschaften, schliff auch Brenngläser u.s.w. davon.
_pe-chy-yng_ im Chinesischen, der ganz durchsichtige;--_tse-chy-yng,_ der
bläuliche;--_choui-tsing_ im Japanischen;--_rdo-shela_, auch _tschujschel_
im Tibetanischen;--_vellor_ im Kaschmirischen.
_palinga_, auch _keys_ im Ceylonesischen; sudu palinga ist der
wasserhelle;--kana palinga, der helle Rauchtopas;--tilla palinga, der
dunklere;--taripo, der weisse, undurchsichtige Milchquarz bey röthlicher
Färbung,
_batu palumban_ im Malaiischen; wille palinga, der wasserhelle, mangel
palinga, der helle Rauchtopas, tilia palinga, der dunkle.
_spatica_ im Sanscrit;--_spatika, phatika, katscha, kantscha_ im
Bengalischen.
_bulur_ im Bucharischen;--_büllur, bellur_ im Türkischen;--_balur_ im
Persischen;--_belur_ im Arabischen;--_bellur_ im Kurdischen;--_be'ur_ im
Syrischen;--_ibna barad_ im Syrischen.
_abagjegh, wanakn, akn wani_ im Armenischen;--_gabisch_ (was auch Eis
bedeutet), und _kerach_ im Hebräischen;--_kerustallin_ im Chaldäischen.
_criostal_ im Gälischen, auch _gloine_ (d.i. Glas) _shoillur_ und _gloine
shinealta_;--[Greek: _krystallos_] im Griechischen;--[Greek:
krystallopetra] im Neugriechischen;--_crystallus_ im Lateinischen, mit
vielen Abänderungen; iris war der dreiseitige Bergkrystall, der als Prisma
diente; der erros oder zerios war diesem ähnlich; haephaestites waren
Geschiebe, die als Brenngläser dienten;--morio war unser Rauchtopas, der
nach Plinius in Indien prammion hiess, der alexandrinus und cyprinus waren
röthlich;--_crystallus montanns [montanus]_ im mittelalterlichen
Latein;--_kristallssteirn_ im Isländischen;--_rockcrystall_ im
Englischen;--_bergkrystall_ im Schwedischen;--_bjergkrystall_ im
Dänischen;--_bergglas_ im Holländischen;--_cristall de roche_ im
Französischen;--_cristallo di rocca_ im Italienischen;--_cristall de roca_
im Spanischen und Portugiesischen.
_krystally, hegyi kristaly_ im Magyarischen.
_krysztal gorny_ im Polnischen;--_krysztal_, auch _prohleden_ im
Czechischen;--_kirchel_ beym böhmischen Bergmann;--_hornoi chroustalle_ im
Russischen; in Siberien nennt man die gefärbten Bergkrystalle topas; den
Rauchtopas duim-tschatui [or: duimtschatui] topas (von duim der Rauch).
Es ist mir unbekannt, warum man in Teutschland den dunkeln Bergkrystall
topas genannt hat, wie es auch in Siberien geschiehet.
* * * * *
#§. 8. Die 12 Gemmen im Schmucke der Hohenpriester bey den Hebräern.#
Da wir in der Bibel die ältesten schriftlichen Nachrichten über
Schmucksteine finden, und zwar über diejenigen, welche die Hohenpriester
der Hebräer bey feierlichen Gelegenheiten an ihrem Gewände trugen, so
gewährt es ein wichtiges Interesse, diese näher zu erörtern.
Ueber der Kleidung trug der Priester ein gesticktes Brusttuch (Coschen),
auf dem sich das _Gemmenschild_ befand, mit 12 in Gold gefassten, farbigen,
geschliffenen Edelsteinen, auf denen die Namen der 12 Stämme eingeschnitten
sich befanden. "Aaron--heisst es--soll die Namen der Söhne Israels tragen
auf dem Brusttuche des Gerichtes, wenn er ins Heiligthum gehet, zum
Gedächtniss von Jehova jederzeit."
Da diese Steine durch die eingeschnittenen Namen gleichsam die 12 Stämme
repräsentirten, und da sie 3 und 3 in einer Reihe in einem Schilde auf der
Brust getragen wurden, so scheint es mir wahrscheinlich, dass man Steine
gewählt haben dürfte, die ziemlich gleicher Grösse waren, denn es würde
sich schlecht ausgenommen haben, wenn neben einem grossen sich ein kleiner
Stein befunden hätte. Es scheint mir daher gar nicht wahrscheinlich, dass
in dem Brustschilde sich die Edelsteine befunden hätten, die nur in kleinen
Stücken vorkommen, für uns die kostbarsten sind, wie Diamant, Rubin,
Sapphir, um so mehr, da man im Alterthume diese harten Edelsteine nicht in
der Art künstlich schliff und facettirte, als bey uns, sie mehr als
natürliche Krystalle trug; eher dürfte zu vermuthen stehen: dass hierzu
vorzugsweisse sogenannte Halbedelsteine verwendet gewesen seyn mögen, die
schön gefärbt waren, sich leicht bearbeiten liessen und eine gewisse Grösse
hatten, wie edler Sard, Onyx, Plasma u.s.w.
Weil es heisst: dass kostbare Steine dazu verwendet werden sollten, so
gehet Braun von der Meinung aus: dass die kostbarsten Edelsteine zu suchen
hätte, wie Demant, Rubin, Sapphir u.s.w., die er bey zweifelhaften Namen
präsumirt, was aber wohl nicht der richtige Gesichtspunkt seyn mag.
Diese 12 Steine lassen sich ohnmöglich mit scharfer Sicherheit
mineralogisch bestimmen, nur aus den Namen und deren Uebersetzung ins
Griechische, Syrische u.s.w.--bey denen aber zuweilen die Stellen oder
Nummern der Steine verwechselt, selbst andere Namen dafür gesetzt
sind--können wir die Deutung versuchen. Es ist nicht zu verwundern, wenn
bey diesem dunkeln Gegenstande sehr verschiedene Ansichten geltend gemacht
sind, und ein Paar neue Conjecturen zur Prüfung vorzulegen, wird erlaubt
seyn.
Am ausführlichsten haben bey uns diesen Gegenstand behandelt: _Braun_: de
vestitu sacerdotum hebr. 1680; _J. Bellermann_: Die Urim und Thummim. 1824.
Die 12 Steine sind folgende.